Urban Intervention Award Berlin 2010

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Urban Intervention Award Berlin 2010
Urban Intervention Award Berlin
2010
Urban Intervention Award Berlin 2010
awarded by the Senate Department
for Urban Development
Vorwort
Bis Mitte dieses Jahrhunderts werden mehr als 65 Prozent der Weltbe­
völkerung in Städten leben. Die Städte sind auch die Orte, in denen
die Gegenwarts- und Zukunftsthemen nachhaltig beeinflusst werden
können.
Prozesshafte und partizipatorische Stadtentwicklung und „bottom up“
Prozesse bestimmen vermehrt die Praxis. Zwischenzustände sind
Normalität und Zwischennutzungen setzen Impulse für die Stadtent­
wicklung. Die Stadtbevölkerung, Bauherrn und Investoren, Fachleute
und Verwaltung begegnen sich als Partner auf gleicher Augenhöhe.
Die Öffentliche Hand muss dabei Initiator, Anreger und Förderer
zukunftsorientierter innerstädtischer Prozesse sein.
Berlin ist Hauptstadt, steht aber gleichzeitig für geringen Investitions­
druck und begrenzte Mittel, verfügt jedoch umgekehrt über das
Geschenk von viel Raum – Spielraum – und eine unglaublich innova­
tive und experimentierfreudige kreative Szene. Eine Stadt also, die
immer wieder exemplarische und qualitätsvolle Projekte hervorbringt,
die durch das Engagement unterschiedlichster Akteure aus unter­
schiedlichsten Kontexten entstehen – Modelle, die in die Zukunft
weisen.
Der vom Senat für Stadtentwicklung in diesem Jahr zum ersten Mal
europaweit ausgeschriebene Urban Intervention Award Berlin soll
dazu beitragen, diesen lebendigen Prozess der kreativen und inno­
vativen Auseinandersetzung mit der Stadt zu würdigen und zur Nach­
ahmung anzuregen.
Ingeborg Junge-Reyer
Senatorin für Stadtentwicklung Berlin
Foreword
By the middle of this century more than 65 percent of the world’s
population will be living in cities. Thus cities are the sites in which
contemporary and future themes can be influenced on a sustained
basis.
Processual and participative urban development and “bottom up”
processes increasingly determine praxis. Transitory states are now
normality and intermediate utilisation gives an impulse to urban
development. The urban population, builders and investors, specialists
and administrators, encounter each other as equal partners. Through­
out, public authorities must act as initiator, inspirer and supporter of
future-oriented inner-city processes.
Berlin is a capital city, however it also stands for low investment pres­
sure and limited funds, while conversely being blessed with the gift of
much space – free space – and an incredibly innovative creative scene
which delights in experimentation. It is a city which continues to pro­
duce exemplary, high quality projects, generated through the com­
mitment of a range of stakeholders from different contexts - models
which point the way to the future.
The Urban Intervention Award Berlin, a European-wide competition
organised for the first time this year by the Senate Department for
Urban Development, aims to both honour this vital process of a crea­
tive and innovative exploration of the city and inspire emulation.
Ingeborg Junge-Reyer
Senator for Urban Development Berlin
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Einführung
Schon bald nach meinem Amtsantritte als Berliner Senatsbaudirektorin
reifte in mir die Idee, einen Urban Intervention Award ins Leben zu
rufen und es ist mir eine große Freude, ihn dieses Jahr zum ersten Mal
vergeben zu können. Der von der Senatsverwaltung für Stadtentwick­
lung europaweite ausgelobte Preis sollte die etablierte und bewährte
„Preistradition“ Berlins und Deutschlands ganz bewusst ergänzen. Es
geht bei dem Urban Intervention Award Berlin um die Entwicklung
neuer, kreativer urbaner Orte von hoher architektonischer Qualität mit
Vorbildcharakter, die durch ein innovatives und interdisziplinäres
Zusammenwirken von Kooperationspartnern unterschiedlicher
Bereiche und Disziplinen wie Kultur, Architektur, Initiativgruppen,
Wirtschaft usw. entstanden sind und die wie Kristallisationspunkte in
die Stadt hineinwirken und Lebensräume nachhaltig verändern. Die
Auswahlkriterien sind demnach die städtebauliche und räumliche
Herangehensweise, der soziokulturelle und gesellschaftliche Kontext,
die Gestaltungsaspekte, das Nutzungskonzept und die Zusammen­
arbeit mit den Kooperationspartnern.
Der Urban Intervention Award Berlin 2010 würdigt Arbeiten, die im
europäischen Raum innerhalb der letzten fünf Jahre entstanden sind
und die nachweislich das Umfeld und den Lebensraum für Menschen
verändert haben. Es gibt zwei Preiskategorien: Die eine berücksichtigt
die gebaute Stadt, (Built), die andere bezieht sich auf temporäre Pro­
jekte (Temporary), die für kurze Zeit wirken und wie „Vagabunden“
durch ihren temporären Charakter städtische Orte verändern. Die erst­
malige Ausschreibung des Urban Intervention Award Berlin 2010 hat
ein erfreulich großes Echo ausgelöst. Über 60 Arbeiten aus Berlin,
Deutschland und Europa wurden vor allem von jungen innovativen
Büros eingereicht. Die Qualität der Arbeiten hat nicht nur die Jury
überrascht, sondern auch alle, die an diesen Preis geglaubt haben,
belohnt. Die erstmalige Verleihung des Urban Intervention Award
Berlin 2010 soll nicht nur Auftakt für eine wiederkehrende Vergabe
des Preises sein, sondern gleichzeitig Motivation und Veranschauli­
chung für eine geplante 3. Internationale Bauausstellung in Berlin.
Glücklicherweise konnte für die detaillierte Erarbeitung der Award­
konzeption die erfahrene Kuratorin Kristin Feireiss gewonnen werden,
als profunde Kennerin des internationalen Stadtentwicklungs- und
Architekturdiskurses. Ihr gilt mein größter Dank für die kreative enga­
gierte und hartnäckige Arbeit zusammen mit ihrem Team. Ein zweiter
großer Dank geht natürlich an die prominente und interdisziplinär
zusammengesetzte Jury. Wir haben gemeinsam in intensiven aber
auch lustvollen Diskussionen versucht, den Arbeiten gerecht zu wer­
den und die Besten aus den Guten herauszudestillieren. Mein wärmster
Dank geht an Undine Giseke, Landschaftsarchitektin, Professorin an
der TU Berlin; Bart Lootsma, Architekturgeschichte und -theorie,
Professor an der Universität Innsbruck; Enrique Sobejano, Madrid,
Architekt, Professor an der UdK Berlin und Hortensia Völckers, Vorstand
und Künstlerische Direktorin der Kulturstiftung des Bundes, Kuratorin.
Das Zusammenspiel von verschiedenen Akteuren und klugen Nut­
zungsszenarien als Impulsgeber von Stadtentwicklung ist das eine
aber ohne Gestaltqualität geht es nicht. Das machen allen präsen­
tierten Projekten, ganz besonders aber die ausgezeichneten Arbeiten
auf eindrucksvolle Weise deutlich. Diese Qualität wollen wir auch in
den nächsten Jahren fördern. Darin sehen wir einen erheblichen Bei­
trag zur Förderung einer zukunftsweisenden Baukultur.
Regula Lüscher
Senatsbaudirektorin
Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin
Introduction
Shortly after taking office as the Berlin Senate Director of Building, the
idea began to form in my mind of establishing an Urban Intervention
Award and it is a great pleasure for me to confer this award for the first
time this year. The European-wide competition, initiated by the Senate
Department for Urban Development, was consciously designed to
extend Berlin’s and Germany’s established and cultivated “prize tradi­
tion”. The Urban Intervention Award Berlin is concerned with the de­
velopment of new, creative urban sites with a high architectural quality
and exemplary character. Generated through an innovative and inter­
disciplinary collaboration of cooperation partners from different fields
and disciplines, such as culture, architecture, initiative groups and busi­
ness etc., these sites act like crystallisation points within the city, gener­
ating a sustained change in the living space. Accordingly, the selection
criteria are the urban development and spatial approach, the socio-cul­
tural and social context, the design aspect, the utilisation concept and
the collaboration with cooperation partners.
The Urban Intervention Award Berlin 2010 honours work which has
been created within Europe over the last five years and has demon­
strably changed people’s environment and living space. There are two
prize categories: the first considers the built city, (Built), the second
considers temporary projects (Temporary), which function for a limited
period, and like “vagabonds” alter urban locations with their tempo­
rary character. The first prize invitation of the Urban Intervention
Award Berlin 2010 generated a pleasingly large response. Over 60
projects from Berlin, Germany and Europe were submitted, above all
by young, innovative offices. The quality of the projects not only sur­
prised the jury, it also rewarded all those who believed in this prize.
The first time bestowal of the Urban Intervention Award Berlin 2010 is
not only designed as the begin of a recurrent series of prize competi­
tions, but as motivation and demonstration for a planned 3rd Interna­
tional Building Exhibition in Berlin.
Fortunately, for the detailed realisation of the award concept it was
possible to win the experienced curator Kristin Feireiss, with her pro­
found knowledge of the international urban development and archi­
tecture discourse. I would like to express my gratitude for her creative
commitment and determined work together with her team. A second
thank naturally goes to the jury, composed of its prominent and inter­
disciplinary members. Together, in intensive as well as passionate
discussions, we have attempted to do justice to the projects and distil
the best from the good. My warmest thanks go to Undine Giseke,
landscape architect, Professor at the TU Berlin; Bart Lootsma, architec­
tural history and theory, Professor at the University of Innsbruck;
Enrique Sobejano, Madrid, architect, Professor at the UdK Berlin, and
the curator Hortensia Völckers, Executive Committee and Artistic
Director of the Federal Cultural Foundation.
The interplay of different stakeholders and smart utilisation scenarios
as impulse generator for urban development is one thing, however,
design quality is also essential. This is clearly demonstrated by all the
showcased projects, especially the award winning works. We intend to
promote this quality in forthcoming years. It is in such projects that we
see a significant contribution to the promotion of a future-oriented
building culture.
Regula Lüscher
Director of Urban Development
Senate Department for Urban Development Berlin
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Category
uilt
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Die Kategorie Built umfasst gebaute und fest installierte Projekte.
Die eingereichten Arbeiten zeigen die gesamte Palette städtischen
Bauens: Umnutzungen, Ergänzungen und Neubaumaßnahmen, räum­
liche und freiräumliche Projekte. Die Innovationen sind vielschichtig
und stellen neue Angebote für kulturelle, sportliche aber auch kom­
merzielle Einrichtungen dar. Neben der architektonischen Qualität
werden bei den Arbeiten sowohl der Prozess der Entstehung als auch
die nachhaltige Wirkung auf den Stadtraum bewertet. Die vorgestell­
ten 13 Arbeiten, die alle im Alltag erprobt sind, belegen und verdeutli­
chen eine Gesamtkonzeption, die aufgegangen ist. Die in einer Vorjury
ausgewählten Projekte spiegeln die Lebendigkeit der entstanden Orte
wider. Und noch eine Sache ist an dieser Stelle zu erwähnen: Es gibt
sie, die Bauherren und Investoren, die ein gutes innovatives Projekt
mittragen, unterstützen und zu einem erheblichen Masse entwickeln
und befördern. Das Gleiche gilt für Genehmigungsbehörden und Ver­
waltungen, die innovativ mit Vorgaben umgehen. Es ist mehr möglich,
als wir oft annehmen. Mit diesem Preis wollen wir dazu animieren,
Unmögliches möglich zu machen.
The category Built encompasses built and permanently installed
projects. The submitted projects display the entire palette of urban
building: conversions, extensions and new building measures, spatial
and open space projects. The innovations are multifaceted and offer
new forms of cultural, sporting as well as commercial facilities. In addi­
tion to their architectonic quality, the projects were also assessed in
terms of their creation process and sustained effect on the urban
space. The 13 projects presented, all of which have been tested under
everyday conditions, document and highlight a successfully realised
total concept. The projects selected by a preliminary jury reflect the
vitality of the resulting sites. How-ever, there is something else that
needs to be mentioned at this point. They are out there – the builders
and investors that fund and support good, innovative projects, devel­
oping and promoting them to a considerable degree. The same
applies to regulatory authorities and administrative bodies which
make innovative use of directives. More is possible than we often
assume. With this prize we want to animate people to make the
impossible possible.
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Library and Reading Park Torre Pacheco
Location: Torre Pacheco (Murcia) – Spain
Function: urban interventions for the promoti­
on, management, and planification of public
space in Torre Pacheco with library, sports and
recreational areas, school
Architects: Martin Lejarraga, Cartagena – Spain
Client: EXCMO, Commune Torre Pacheco
Year of completion: 2007
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Die Bibliothek steht am Anfang eines Stadterneuerungsvorhabens
der Stadt Torre Pacheco. Zu dem Projekt gehören außer einer Schule,
eine Bushaltestelle sowie ein für die Öffentlichkeit zugänglicher Park.
Die allgemeine Entwicklung und die sich beschleunigenden Verän­
derungen in Torre Pacheco erforderten in architektonischer und stadt­
planerischer Hinsicht neue integrative Planungsprozesse, welche die
demografischen, sozio-ökonomischen, multikulturellen und touris­
tischen Wachstumsprozesse berücksichtigen. Dieser Wandel machte
ein neues Modell für die Stadtplanung erforderlich. Ausgangspunkt
der Bibliotheksanlage ist eine Topografie, die sich wie eine Landschaft
in das Gesamtareal einfügt. Dem Besucher erschließen sich die ver­
schiedenen Ebenen und Geschosse über eine zentral angeordnete
Rampe, die gleichzeitig Bestandteil des Innenhofs ist. Zu den Außen­
anlagen gehören ein Park des Lesens, ein Wald, Sportbereiche, eine
Kletterwand sowie ein Akustik-Park. Bei diesem großangelegten Pro­
jekt, das die Lebensqualität der Anwohner verbessern soll, geht es vor
allem um eine langfristige nachhaltige Strategie. Aspekte wie geringe
Kosten, einfache Technologien, ein niedriger Energieverbrauch und
niedrige Unterhaltskosten spielen eine wichtige Rolle. Dazu der
Architekt Martin Lejarraga: „Architektur sollte dazu beitragen, eine
andere Form der Stadt zu vermitteln, in der sich Menschen wohl
fühlen, ohne die Gründe dafür kennen zu müssen.“
The Library Torre Pacheco is the first part of an urban intervention
project for the promotion, management and planification of Torre
Pacheco which will include a school, a bus station and a public park.
The general evolution and the accelerated changes of the city of
Torre Pacheco bring with them actions that, from the field of architec­
ture and urbanism, contribute to develop in an organized, joint and
integrated way all the parameters affected by the demographic, socio­
economical, multi-racial, cultural and touristic growing process. This
approach finally proposes a new urban model for the city. The project
appears from the creation of a new topography that indexes and
qualifies this expansion zone in Torre Pacheco, on a public plot; an
urban, cultural and enjoyment alternative for the citizens. The library is
designed as a landscape. The visitor can reach the different levels of
the building through a central ramp which is as the same time part of
the inner court of the building. The open spaces includes a park for
reading, a forest, sporting areas, a climbing wall and an acoustic park.
Efficacy is the main issue of all interventions as well as long-term sus­
tainable approaches a like low cost, low technology, low consuming,
low keeping. „The architecture should produce effects that make us
understand a different city, in which even without knowing why, citi­
zens feel better.“ Martin Lejarraga.
(Photographs: Estudio Martin Lejarraga, Paisajes Espanoles, Jesus Granada)
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A8ernA, Zaanstad
Location: Koog aan de Zaan, Zaanstad –
Netherlands
Function: conversion of a highway underbridge
with public space – covered square,
marina, park, kid zone, shopping – super­
market, fish/flower shop, skate bowl etc.
Architects: NL-Architects and Carve (design
skatepark), Amsterdam
Client: Commune Zaanstad
Year of completion: 2006
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Koog aan de Zaan war ein nettes kleines Dorf am Fluss Zaan in der
Nähe von Amsterdam, bevor Anfang der 1970er Jahre eine Autobahn
gebaut wurde. Auf sieben Meter hohen Pfeilern überquert seither die
A8 den Fluss. Das Projekt ist ein Versuch, beide Seiten der Stadt wieder
miteinander zu verbinden und den Raum unterhalb der Straße zu
beleben. Der außergewöhnliche Platz unter der Straße wurde nicht
mehr als Fehlplanung, sondern als Möglichkeit gesehen. Aus einem
verwahrlosten Parkplatz wurde ein Mischgebiet; ödes Brachland ver­
wandelte sich in einen Blickfang; was einst Peripherie des Ortes war,
ist nun das Zentrum. Von den Einheimischen – Einwohnern wie
Händlern, Jung und Alt – kamen zahlreiche Vorschläge, die als Aus­
gangspunkt für die Erneuerung dienten. Der Plan wurde in enger
Zusammenarbeit mit der Kommunalverwaltung und der Bevölkerung
entwickelt. Heute befinden sich unter der Straße eine Skateanlage,
die so genannte Rampenlandschaft, ein Spielplatz, eine BreakdanceBühne, ein Kickertisch, ein Fußball- und ein Basketballfeld, Parkplätze,
eine Querstraße, der überdachte Platz mit dem Supermarkt, der Blu­
men- und der Fischladen, ein beleuchteter Springbrunnen, eine küns­
tlerisch gestaltete Bushaltestelle, ein Minijachthafen, das Panorama­
deck und der Fluss. Neben der Autobahn liegt ein kleiner Park, dessen
Hügel das Bild der grünen Landschaft verstärken und eine „Grillhöhle“
und einen „Fußballkäfig“ beherbergen. Durch den kleinen Hafen, der
unter der Autobahn ausgehoben wurde, schließt der Fluss an die
Hauptstraße an. Vom Panoramadeck aus hat man einen herrlichen
Blick über den Fluss. Ganz unerwartet bietet die hoch gelegene Auto­
bahn so die Möglichkeit, die Gemeinde wieder zusammen zu fügen.
Koog aan de Zaan was a charming little village near Amsterdam,
located on the river Zaan, before a freeway was constructed in the
early seventies. In order to provide access across the river, Highway A8
was built on seven metre-high columns. This project represents an
attempt to restore the connection between both sides of town and to
activate the space beneath the road. Instead of a disaster, the remark­
able space under the road was now regarded as an opportunity: it was
transformed from a desolate parking lot to a mixed use area, from a
wasteland to a focal point, from a “downtown periphery” to a centre.
The locals – residents and retailers, young people and old – came up
with numerous proposals that were used as the starting point for the
renewal. The plan was developed in close collaboration with the local
government and the population. Under the road from west to east
you will find a skate bowl, the so-called “ramp scape” and toy area, a
break dance stage, tabletop football, a football pitch, a basketball
pitch, parking, a cross street, the covered square with the supermar­
ket, pillar boxes, the flower and fish shop, a light fountain, a sculptural
bus stop, a mini-marina, the “panorama deck” and the river. Next to the
highway is a small park with some hills that intensify the experience of
the greenery. Carved out from these are a “barbecue cave” and a foot­
ball cage. By introducing the mini harbour that was excavated from
the land under the highway, the river connects to the main street. The
panorama deck features wonderful views over the river. In an unex­
pected way the elevated highway offers the opportunity to reconnect
the village to the source of its existence.
kid zone
grafitti wall
soccer / basketball fields
table tennis / breakdanceplateau
skatepark
park
(Photographs: NL Architects, Luuk Kramer)
barbecue cave
birch hill
jeu de boulle
soccer cage
dry square
supermarket (albert heijn)
letter columns
fish and flower shop
light fountain
marina
church square
bus stop
panorama deck
public living room
‘dogville’ pattern
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Besiktas Fishmarket
Location: Besiktas, Istanbul – Turkey
Function: market hall
Architects: GAD & Gokhan Avcioglu, Istanbul
Client: Besiktas Municipality
Year of completion: 2009
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Der Fischmarkt im Istanbuler Stadtteil Besiktas ist ein eindrucksvolles
Vorhaben der Stadt zur Verbesserung der Lebensqualität in diesem
Wohngebiet. Besiktas liegt in einem der am dichtesten besiedelten
und vielfältigsten Viertel von Istanbul. Der auf einer dreieckigen Fläche
im Zentrum des Geschäftsbezirks befindliche Markt ist sehr bekannt.
Viele Einheimische und Besucher kaufen hier jeden Tag frischen Fisch
und Frischprodukte. Das Gebäude des alten Fischmarkts war in
schlechtem Zustand und musste erneuert werden. Aufgrund der
direkten Zusammenarbeit mit der Kommunalverwaltung von Besiktas
steht das Projekt symbolisch für die Bemühungen des Bezirks, das
Stadtgefüge dieses Gebiets und dessen Lebensqualität zu verbessern.
Bei der Konstruktion ließ man sich von dem Anspruch leiten, die
ikonische Ausstrahlung zu erhalten und die einladende Atmosphäre
zu bekräftigen. Das von Gokhan Avcioglu geleitete Architekturbüro
GAD entwickelte eine dreieckige Beton- und Stahlmuschel, die den
gesamten Platz überspannt und sich zum Straßenraum öffnet. Diese
Konstruktion ermöglicht einen Innenraum ohne Säulen und ist damit
optimal auf die programmatischen Ziele des Projekts abgestimmt. Der
Innenraum ist in sechs Auslagenbereiche unterschiedlicher Größe
unterteilt, die durch einen Umlauf miteinander verbunden sind und
sich in den größeren urbanen Kontext fügen. Ein weiteres Anliegen ist
die Umgestaltung der Fassaden der umliegenden Gebäude in eine
Plattform für künstlerische Veranstaltungen wie die Istanbul Biennale
oder lokale Events. Die Grenzen zwischen öffentlichem und privatem
Raum sind ein weit verbreitetes Problem der türkischen Städte und
können nur durch ständiges Experimentieren gelöst werden.
The Besiktas Fish Market project is an impressive effort by the commu­
nity of Besiktas to improve their neighbourhood. Besiktas is located in
one of Istanbul’s most populated and diverse district. Located on a
triangular site in the heart of the commercial area, the market is well
known and many locals and visitors buy fresh fish there daily. The
physical structure of the old fish market was in poor condition and
needed to be replaced. Working directly with the municipality of
Besiktas, the project is symbolic of the community’s effort to improve
the area’s urban fabric and its quality of life. The design solution was to
maintain its iconic neighborhood presence, while also reaffirming its
welcoming feeling. GAD and Gokhan Avcioglu designed a triangular
shaped concrete and steel seashell-like form covering the entire site
with large openings at street level. The shell provides a column-free
interior space, optimising the project’s programmatic needs. The inte­
rior volume is divided into 6 display sections of various sizes that are
joined by a circulation that easily connects all the sections and
extends to the larger urban fabric. Another intention is to transform
the facades of the sorrounding buildings into a platform for artistic
events such as the Istanbul Biennale or more local events. Determin­
ing the boundaries between public and private spaces is a common
problem in Turkish cities and can only be softened by means of
continuous experimentation.
(Photographs: GAD & Gokhan Avcioglu)
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Lesezeichen Salbke
Open-Air-Library Location: Magdeburg – Germany
Function: open library, stage, public space
Architects: KARO with Architektur + Netzwerk,
Leipzig – Germany
Client: City of Magdeburg, funding by the
Federal Ministry of Transport, Building and
Urban Development (research program ExWoSt)
Year of completion: 2009
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Das Grundstück des Lesezeichens Salbke liegt im Zentrum des ehema­
ligen Fischerdorfes, das in der Gründerzeit stark industriell überformt
wurde und dessen Ortsmitte heute zu 80 Prozent leer steht. Die Fin­
dung von Form und Funktion gründet auf einem Partizipationspro­
zess, an dessen Anfang eine Intervention im öffentlichen Raum stand.
Obwohl das damals errichtete improvisierte Bibliotheksmöbel nur für
zwei Tage den Stadtraum bestimmte, hat es eine dauerhafte Wirkung
entfaltet. Die Anwohner haben die Idee aufgegriffen und als infor­
melle Bürgerbibliothek zunächst in eigener Regie fortgeführt. In dem
weiteren Beteiligungsprozess wurde zusammen mit den Architekten
die Idee eines Ortes, der geschützt vom Straßenlärm eine Ruhezone
im Stadtteil bieten soll, weiter vertieft. Auffälligstes Merkmal des end­
gültigen Objekts ist die Fassade, welche samt Unterkonstruktion
von einem ehemaligen Horten Warenhaus von 1966 stammt. In der
äußeren Fassade sind gläserne Aluminium-Vitrinen eingelassen, die
im Sinne einer Info-Tafel der Präsentation von Vereinen dienen. Die
gläsernen Aluminium-Vitrinen in der inneren Fassade nehmen den
Buchbestand auf, der rund um die Uhr frei zugänglich ist. Entlang der
Holzfassade verläuft durchgängig eine ca. 30 Meter lange Sitzbank. An
zwei Stellen vermitteln sogenannte Leseinseln zwischen Straße und
Freiraum. Die Gestaltung mit Graffitis erfolgte im Rahmen eines Wett­
bewerbs, zu dem alle Jugendlichen aus Magdeburg ihr „tag“, d. h. ihre
persönliche Graffiti-Unterschrift, einreichen konnten.
The plot of the “Bookmark” Salbke is situated in the centre of the
former fishing village, which was subject to radical industrialisation
during the period of promoterism and whose centre is now almost
80% empty. The establishment of form and function was based on a
participation process, beginning with an intervention into the public
space. Although the improvised library furniture erected during this
stage only dictated the urban space for a period of two days, it suc­
ceeded in leaving a permanent impression. The residents took up the
idea and initially extended it in the form of an informal citizens library
under their own direction. In the subsequent participation process,
the idea of a location providing a quiet zone in the district, protected
from street noise, was further refined in collaboration with the archi­
tects. The most prominent feature of the final building is the façade,
which, complete with the substructure, originates from a former
Horten department store from 1966. Glazed aluminium display cabi­
nets were set into the outer façade, serving as information boards for
the district, presenting the local associations. The glazed aluminium
display cabinets in the inner façade contain the inventory of books,
which are accessible around the clock. A circa 30 m long bench runs
along the wooden facade. At two locations so called reading islands
mediate between the street and the free space. The graffiti design was
the result of a competition in which every young person in Magdeburg
was invited to submit their “tag”, i.e. their personal graffiti signature.
(Photographs: Thomas Völkel)
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b
Zamet Centre
Location: Rijeka – Croatia
Function: multifunctional hall for sports,
conferences and cultural events, post office,
library, shops, garage and public space
Architects: 3LHD architects, Zagreb – Croatia
Client: Rijeka Sport d.o.o.
Year of completion: 2009
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Das wichtigste Merkmal des Zamet Centers (mit öffentlichen Einrich­
tungen wie Sportanlagen, Geschäften, der Stadtbibliothek und der
Stadtverwaltung) in Rijeka, Kroatiens größtem Hafen, ist die Einglie­
derung eines Großprojekts in das städtebauliche Gefüge. Der in das
Gebiet eingefügte Gebäudekomplex hat auf unterschiedlichen Ebe­
nen neue öffentliche Räume geschaffen. Das Center verfügt über
einen Fußgängerweg in Nord-Süd-Richtung, ein Plateau und einen
Park vor der Schule. Es wird damit zum Mittelpunk der Kommunika­
tion. Mit dieser neuen Art der räumlichen Definition einer öffentlichen
Institution wird dem aktuellen gesellschaftlichen Bedarf an öffent­
lichem Raum und kommunalen Einrichtungen Rechnung getragen.
Das Entwurfskonzept zeigt sich in der Herausbildung parallel ange­
ordneter Bänder, die senkrecht zu dem unebenen Niveau des Gelän­
des verlaufen, wodurch eine von unten emporragende Reliefstruktur
erzeugt wird. Die Anordnung ist nicht hierarchisch, sondern erinnert
vielmehr an eine Kette tektonischer Verschiebungen. Der öffentliche
Raum auf dem Dach ist nicht nur ein Merkmal des Gebäudes im Zen­
trum des Gewerbeteils, sondern das Dach der Halle dient auch als eine
Art Erweiterung des nördlich gelegenen Parks. Trotz der kurzen Nut­
zungsdauer seit der Eröffnung Mitte September 2009, hat sich das
Zamet Center bereits als lebhafte Begegnungsstätte und Ort für unter­
schiedliche gesellschaftliche Ereignisse, Sportveranstaltungen, Kon­
zerte, Festivals und Feiern etabliert.
The basic characteristic of the Zamet Centre in the city of Rijeka,
Croatia’s biggest port (including public and sport facilities, retail
spaces, the city library and the local authority offices) is the integra­
tion of a large project into the urban structure of Zamet, with the
objective of minimising disruption and evaluating the existing urban
conditions. The new structure, which unlevels the terrain, created
the new public spaces, a north-south pedostrian link, and a quality
plateau and park zone in front of the school, placing the programme
in the centre of Zamet at the intersection of communications. The
current social needs for public space and community facilities are
articulated in this new spatial type of public institution. The concep­
tion of the ensemble is imagined in the form of a progression of paral­
lel bands placed vertically on the de-leveling ground, which creates a
relief structure extruded from the sub-wall. The public space on the
roof is not only a feature of the building in the commercial part of the
centre, but the roof of the hall is also used as a kind of extension of the
park situated to the north of the hall. Experiences gained from the
very short period of use since its opening (in mid-September 2009)
have confirmed Zamet Centre as a new vibrant community centre, a
space for a variety of daily social events, sport events, concerts, festi­
vals and celebrations.
(Photographs: Domagoj Blazevic, Damir Fabijanic)
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Alvéole 14 – Transformation of a Submarine Base
Location: Saint-Nazaire – France
Function: venue for contemporary forms of art
and music
Architects: LIN Finn Geipel + Giulia Andi,
Berlin/Paris – Germany/France
Client: City of Saint-Nazaire
Year of completion: 2007
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Der 300 Meter lange und 130 Meter breite ehemalige U-Boot-Bunker
am Hafenbecken von Saint Nazaire, rund einen Kilometer vom Stadt­
zentrum entfernt, wird mittels einfacher Eingriffe in einen Ort für neue
Kunst und Musik transformiert. Das Programm besteht aus zwei Ein­
richtungen, dem LiFE (Internationales Zentrum für neue Kunstformen)
und dem VIP (Bühne für neue Musik). Eine innen liegende Straße stellt
die Verbindungen zwischen den Bunkerkammern her. Die innere
Straße entlang eines ehemaligen Schienenstrangs wird von einem
hängenden Lichtteppich überspannt. Eine Treppe führt durch das
Dach auf eine Experimentierplattform. Dort dient eine implantierte
geodätische Kuppel vom Berliner Flughafen Tempelhof als „think-tank“
für Kunst- und Musikprojekte. Der praktisch unzerstörte Bunker, der
noch bis vor kurzem eine starke Barriere für den Zugang zum Hafen
bildete, öffnet sich durch diese Transformation zur Stadt und dem
Umfeld. Zur Zeit werden auf beiden Seiten des Hafenbeckens Projekte
für unterschiedliche Nutzungen (u. a. Wohnen sowie kulturelle und
kommerzielle Einrichtungen) entwickelt. Das Projekt „Alvéole 14“
greift die Qualitäten des Ortes auf. Mittels einfacher Interventionen
wird der Bunker transformiert. Durch einige wenige Öffnungen wird
der Zugang nach draußen sowie auf das Dach ermöglicht und machen
dadurch den Bunker zu einen einladenden Ort.
The 300 meter long and 130 meter wide former submarine bunker at
the port basin of Saint-Nazaire, approximately one kilometre from the
city centre, has been transformed through a series of simple measures
into a location for new art and music. The program consists of two
facilities, the LiFE (international centre for emerging art forms) and the
VIP (venue for contemporary music). An internal street establishes
the connection between the bunker chambers. Running along a
former section of track, it is covered by a suspended carpet of light.
A staircase leads through the roof to an experimental platform Here,
an implanted geodesic dome from Tempelhof Airport serves as a
“think-tank” for art and music projects. Through these transformations,
the practically undamaged bunker, which until very recently formed a
strong barrier blocking access to the port, has been opened up to the
city and its surroundings. Currently, projects serving a range of differ­
ent usages (including residential as well as cultural and commercial
facilities) are being developed on both sides of the port basin. The
project “Alvéole 14” utilises the site’s “qualities”. Through a series of sim­
ple interventions the bunker has been transformed, providing access
to the exterior and the roof through a limited number of openings,
thus making the bunker liveable and inviting for the new facilities.
(Photographs: Jan Oliver Kunze, Hans Michael Foeldeak)
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b
The Geopark
Location: Stavanger – Norway
Function: playground, skatepark, sports and
recreational areas, exhibition space
Architects: Helen & Hard, Stavanger
Client: City of Stavanger in cooperation with
European Capital of Culture 2008
Year of completion: 2008
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Der Transfer von Ressourcen, die ursprünglich zur Produktion fossiler
Energie genutzt wurden, in andere Wissensgebiete und die Entwick­
lung einer ökologischen und menschenfreundlicheren Umwelt bilden
den Ausgangspunkt für verschiedene Projekte von Helen & Hard, zu
denen auch der Geopark zählt. Die Planung des Geoparks, der die
Stadt mit dem Hafen verbindet, arbeitet mit drei unterschiedlichen
Aspekten: dem geologischen Wissen der Industrie, deren Umgang mit
Technik, Material und Abfallprodukten und den Wünschen von
Jugendlichen an einen Park im Stadtzentrum. Eine Intention war es,
den 2000 bis 3000 Meter unter dem Meeresboden befindlichen Erdölund Erdgasspeicher „Troll“ erlebbar zu machen. Der andere Aspekt
war, einen verwaisten Ort in einen lebendigen städtischen Raum zu
verwandeln. Das im Maßstab 1:500 rekonstruierte geologische Gefüge
des Speichers bildet den Ausgangspunkt der primären Topographie
des Parks. Innerhalb dieser Geolandschaft sind Freizeitaktivitäten wie
Radfahren, Klettern, Konzerte, Ballspiele oder einfach nur Entspannen
möglich. Die Ölschicht im unterirdischen Erdgasspeicher mit seinen
Bohrlöchern ist hier als Skatepark dargestellt, während geologische
Falten eine neue Verwendung als Ausstellungsmauern für Graffiti und
Street Art finden. Für die Oberflächen und Installationen werden Teile
aus unterschiedlichen Bezugsquellen der Erdölindustrie wieder ver­
wendet: von Erdölanlagen, der verlassenen Frigg-Plattform, von
Offshore-Basisstationen sowie Ausrüstungsgegenstände und Schrott.
Transferring resources originally developed for the production of fossil
energy to other fields of knowledge, along with the engineering of
more ecological and humane environments, has been a point of
departure for several of Helen & Hard’s projects, including the
Geopark. The Geopark, which links the city with the harbour, utilises
three different resources. First, the industry’s geological expertise,
second, its handling of technology, materials and waste, and third, the
ideas of youth groups for a park in the city centre. An initial intention
was to provide a tangible experience of the oil and gas reservoir “Troll”,
hidden 2,000 – 3,000 metres below the seabed, and to develop an
abandoned area into an lively urban space. The geological strata,
reconstructed on a scale of 1:500, provide the outlines of the primary
topography for the park. This “geo-landscape” accommodates activi­
ties such as biking, climbing, exhibitions, concerts, jumping, ball
games and “chilling-out”. The oil layer in the Troll field, with its drilling
wells, is represented as a skating park, while geological folds are
reused as exhibition walls for graffiti and street art. The surfaces and
installations are reconstructed out of recycled and reshaped elements
from the petroleum installations, the abandoned Frigg platform, off­
shore bases, equipment suppliers and scrap heaps.
(Photographs: Emile Ashley, Tom Haga)
21
b
IM VIADUKT Refurbishment Viaduct Arches
Location: Zurich – Switzerland
Function: market hall, shops, restaurants,
kindergarten, studios, workshop spaces
Architects: EM2N | Mathias Müller |
Daniel Niggli | Architekten AG | ETH | SIA | BSA,
Zurich
Client: Stiftung PWG, Zurich
Year of completion: 2010
22
In diesem Projekt werden zwei wesentliche Fragestellungen unter­
sucht: Wie lässt sich ein denkmalgeschütztes Infrastrukturelement
programmieren, so dass es integraler Teil des Stadtgefüges wird? Und
wie kann man heute in der Schweiz noch günstig bauen, trotz dras­
tisch zunehmender Regulierungsdichte und Komfortansprüchen in
Bereichen wie Energie, Hygiene und Brandschutz? Das Viadukt ist
mehr als eine Brücke. Wie ein von Menschenhand errichtetes Gebirgs­
massiv tritt es in der Stadt in einem landschaftlich-topografischen
Maßstab auf. Das ursprünglich als Bahntrasse genutzte Infrastruktur­
werk wird als linearer Park Teil einer Kultur-, Arbeits- und Freizeitmeile.
Diese Reprogrammierung des Viadukts löst zwei entscheidende städte­
bauliche Impulse aus: Aus einer räumlichen Barriere wird eine vernet­
zende Struktur, welche die angrenzenden Außenräume aufwertet. Das
Viadukt wird zur großmaßstäblichen Vernetzungsmaschine und zum
linearen Haus. Diese Ambivalenz ist die grundlegende Qualität und
das architektonische Leitmotiv der Architekten, um die neuen Nut­
zungen symbiotisch mit der Viaduktstruktur zu verbinden. Das Zyklo­
penmauerwerk bildet dabei das zentrale atmosphärische Element.
Die neuen Strukturen nehmen sich bewusst zurück und dienen der
Inszenierung der bestehenden Bögen. Für den Innenausbau können
die Nutzer aus einem Baukasten von Elementen wählen oder ihn
selbst gestalten.
In this project two essential issues are examined: How can a listed
infrastructure element be programmed so that it becomes an integral
part of the urban fabric? And how can one build economically in
present-day Switzerland, despite a drastic increase in regulatory
hurdles and demands for greater convenience in areas such as energy,
hygiene and fire protection? The viaduct is more than a bridge. Like a
man-made mountain, it rises out of the city on a geographical and
topographical scale. The infrastructure element, originally used as a
rail line support, will be transformed into a linear park as part of a cul­
tural, business and leisure mile. This reprogramming of the viaduct
triggers two decisive urban planning impulses: a spatial barrier is
transformed into a networking structur, upgrading the adjoining outer
areas. The viaduct becomes a large scale networking machine and a
linear building. This ambivalence is the fundamental quality and archi­
tectonic leitmotiv, conceived by the architects to symbiotically con­
nect the new usages with the viaduct’s structure. The characteristic
cyclopean masonry forms the central atmospheric element. The new
structures consciously remain in the background in order to highlight
the existing arches. For the interior fittings, users are free to choose
from a building kit of different elements or use their own designs.
(Photographs: Ralph Hut)
188
E
0
189
Umnutzung Viaduktbögen
10
D
C
20
1
A
B
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1:1'500
0
Grundriss EG
0
25
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4
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Abschnitt 5.2
1:400
Absc
0 hnitt 4 4
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Absc
hnitt43
0
1:400
10
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1:400
Absch
1:1'500
cp
0
2
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1:400
Abschnitt 1
0
2
5
10
20
1:400
Abschnitt 1
Grundriss Abschnitt 3 / EG
0
5
10
25
1:650
23
b
Middelfart Savings Bank
Location: Middelfart – Denmark
Function: bank, public space, shops and café
Architects: 3XN, Copenhagen – Denmark
Client: Trekantens Ejendomsselskab A/S,
Middelfart
Year of completion: 2010
24
Die Middelfart Savings Bank ist eine wichtige Institution in der kleinen
dänischen Stadt Middelfart auf Fünen am Kleinen Belt. Als solche
wollte sie den neuen Hauptsitz gleichzeitig zu einem öffentlichen
Raum für die Bevölkerung und zu einem architektonischen Symbol für
die Stadt machen. Charakteristisch für das Gebäude ist eine drama­
tische Dachlandschaft, die die Geometrie des restlichen Gebäudes
bestimmt. Sie ist eine Anspielung auf die maritime Umgebung am
Hafen und die umliegenden Fachwerkhäuser. Das Gebäude über­
nimmt die Größe, Dächer und Gesimslinien der Altstadt und fügt sich
zur Straße hin sanft in seine Umgebung und deren besondere Atmo­
sphäre ein. Unter dem Dach sind ein Buchladen, ein Café, ein Immo­
bilienbüro und der Kassenschalter der Bank um einen Hauptplatz
herum angeordnet, wodurch das Erdgeschoss zu einem informellen
öffentlichen Treffpunkt wird. Die zickzackförmige Treppe bietet Raum
für Interaktion, informelle Treffen oder Pausengespräche und prägt
damit das Verhalten der Menschen, die hier arbeiten oder das Ge­
bäude besuchen. Der neue öffentliche Außenraum ist zum zentralen
Treffpunkt von Middelfart geworden. Hier finden lokale öffentliche
Veranstaltungen statt.
Middelfart Savings Bank is a key institution in the small town of
Middelfart, located on the shores of the Lillebælt on the island of
Funen, Denmark. Thus the Savings Bank wanted their new Head Office
to provide a new public space for the local citizens as well as an archi­
tectural icon for the town. The building is characterised by a dramatic
roofscape defining the geometry of the rest of the building – in refer­
ence to the maritime environment on the harbour front as well as the
surrounding timber framed buildings. The building is gently fitted into
the context and its special ambiance by reflecting and interacting with
the dimensions, scales, roofs and cornice lines of the old town. Under
the roof a bookshop, a café, a real estate agent and the cash desk are
placed around a central plaza. This results in a building that creates an
informal public meeting space at the ground floor level. The zigzag
structure of the staircases encourages interaction, informal meetings
and breaks. In this way it literally shapes the behaviour of the people
working in or visiting the building. The new public outdoor space
became the central meeting point of Middelfart where local public
events take place.
(Photographs: Adam Mørk)
25
b
Portugal Avenue
Lineal Park at Manzanares River
Location: Madrid – Spain
Function: revitalizing of a urban riverside into a
public park
Architects: Burgos & Garrido Arquitectos,
Porras + La Casta Arquitectos,
Rubio + Álvarez-Sala Arquitectos, Madrid
Partner: masterplan West 8 urban design &
landscape architecture, Rotterdam –
Netherlands
Client: Municipality of Madrid
Year of completion: 2007
26
Der Neubau der Avenida de Portugal ist der erste realisierte Teil des
Projekts Madrid Rio, einem großangelegten städtebaulichen Vorhaben
der Stadt Madrid, mit dem das Ufer und die Umgebung des Manzanares
saniert werden sollen. Das Gesamtkonzept wurde von dem nieder­
ländischen Architekturbüro West 8 entwickelt. Die Avenida de Portugal
führt oberhalb einer Autobahn mit vier Spuren, die das Zentrum von
Madrid mit der portugiesischen Hauptstadt Lissabon verbindet. Die
Autobahn war, bevor sie unter die Erde gelegt wurde, ein heftiger Ein­
griff in die Stadt und sorgte für eine unüberwindbare Barriere zwi­
schen dem riesigen Park Casa de Campo und den Bewohnern der
angrenzenden Viertel. Im Jahr 2004 begann die Stadt in einem Infra­
strukturprojekt mit der Untertunnelung des zwei Kilometer langen
Autobahnabschnitts, der an den Park angrenzt. Die Architekten
äußerten sich wie folgt: „Dem aktuellen Problem kann man nicht
begegnen, wenn man meint, der Fluss sei zufällig in die Stadt geraten.
Die Stadt gehört zum Fluss. Der Vorschlag wurde aus dieser Erkenntnis
geboren und folgt der Geographie.“ Das Projekt versteht sich als Fort­
setzung eines biologischen Prozesses. Dabei erweist sich die altherge­
brachte Trennung zwischen Stadt und Natur als überholt.
The transformation of the Portugal Avenue is the first part of the
project Madrid Rio to be realised. This is a large urban intervention ini­
tiated by the city of Madrid to repair the riverside of the Manzanares
River and the surrounding areas in Madrid. The Dutch architectural
office of West 8 planned the masterplan of the whole project. Portugal
Avenue runs along a four-lane highway that links up the centre of
Madrid with the Portuguese capital, Lisbon. It represented a savage
attack on the city and at the same time an insurmountable gap
between the huge park of “Casa de Campo” and the citizens. In 2004
the City Hall began burying the 2 km highway that borders the Casa
de Campo Fields within a large-scale infrastructure context. To quote
the architects: “Our confrontation with the present problem may be
approached the wrong way if we regard the river as an accidental
incursion to the city. Nothing is further from the truth – the city is one
of many events of the river.” The proposal was born out of this disci­
pline and it acts geographically, understanding the deal as a continu­
ous biological process, which makes it impossible to make distinctions
within the obsolete rural-urban devision.
(Photographs: Ana Muller)
27
b
Powiśle Station Revitalization
Location: Warsaw – Poland
Function: bar and culture centre
Architects: Centrala, Warsaw
Client: Klubokawiarnia Stacja Powiśle
Year of completion: 2009
28
Dieses Projekt ist aus einer Reihe von Provokationen in der Presse her­
vorgegangen, die das Architekturbüro Centrala zwischen 2002 und
2008 mit dem Ziel lanciert hat, eine öffentliche Diskussion über den
notwendigen Erhalt des modernistischen Nachkriegserbes in Polen
und dessen Schutz vor Zerstörung in Gang zu bringen. Durch diese
öffentliche Diskussion und die Überzeugungsarbeit eines Warschauer
Aktivisten angeregt, haben die Inhaber des Kulturcafes Klubokawiarnia
Stacja Powiśle Centrala um ein Konzept für die Revitalisierung des
Bahnhof-Pavillons von Powiśle, der ursprünglich von Arseniusz
Romanowicz und Piotr Szymaniak entworfen worden war, gebeten.
Das Ziel war, den 70 Quadratmeter großen Pavillon, der früher ein
Fahrkartenhäuschen war, in eine Kulturbar und einen Treffpunkt für
die Nachbarschaft umzugestalten. Das Hauptproblem bestand darin,
das Gebäude technisch wie funktional aufzuwerten und neu zu gestal­
ten und gleichzeitig die Ästhetik der ursprünglichen Konstruktion zu
erhalten. Die einfach verglaste Stahlfassade konnte auf Grund ihres
schlechten Zustands nicht erhalten werden und wurde komplett
durch eine Aluminiumfassade ersetzt. Aus finanziellen Gründen erhielt
das monolithische Dach keine Wärmedämmung, sondern lediglich
eine neue Abdichtung. Um einen dauerhaften Dialog mit der jungen
polnischen Kunstszene zu etablieren, werden die Wände des Küchen­
würfels alle paar Wochen von jungen Künstlern mit neuen Graffitis
versehen. Seit der Eröffnung haben bereits acht Künstler ihren Beitrag
dazu geleistet. Bisher fanden auf der Stacja Powiśle zahlreiche Veran­
staltungen mit Bezug auf das modernistische Erbe Polens in Form von
Lesungen, Buchpräsentationen und Ausstellungen statt. Das Projekt
wurde u. a. von der führenden polnischen Architekturzeitschrift
„Architektura“ unterstützt.
This project is a direct effect of a series of press provocations that the
architecture studio Centrala staged between 2002 and 2008 in an
effort to provoke a public discussion on the necessity of preserving
Poland’s post-war modernist heritage from devastation and popular
oblivion. Animated by this public discussion the owner of the cultural
bar Klubokawiarnia Stacja Powiśle Centrala, who had been convinced
by one of Warsaw’s activists, asked Centrala to develop the revitalisa­
tion design of the pavilion of Powiśle Station, originally designed by
Arseniusz Romanowicz and Piotr Szymaniak. The idea was to convert
the pavilion, originally a ticket-selling booth of roughly 70 square
metres, into a cultural bar and meeting point for the neighbourhood.
The main issue was to maintain the aesthetic consistency of the origi­
nal design while enhancing and remodelling the building‘s technical
and functional aspects. The beautiful steel façade with one-layer glaz­
ing, which was too degraded to be maintained, had to be entirely
replaced by an aluminium facade. To start a continuous dialogue with
the young Polish art scene, the walls of the kitchen cube have been
finished with graffiti. It is replaced every couple of weeks with a new
coating of graffiti as an on-going project. Since the opening, eight
artists have already contributed. Since the opening, a number of events
related to the modernist heritage, such as lectures, book presentations
and exhibitions have taken place in Stacja Powisle. The project was
partly supported by the leading Polish architecture review „Architektura“.
(Photographs: Malgorzata Kuciewicz, Bartek Kraciuk, Bobrowiec, Blazej Pindor)
29
b
Sjakket Youth Centre
Location: Copenhagen – Denmark
Function: youth club for teenage immigrants,
sports and recreation, sound studio
Architects: PLOT=BIG+JDS, Copenhagen
Client: Sjakket Youth Centre, Realdina,
Copenhagen
Year of completion: 2007
30
Durch den Umbau einer verfallenen Fabrik in einen Jugendclub
erhielten Jugendliche einen alternativen Ort, der sie von der Straße
wegholt. Die Renovierung erfolgte so, dass von den vorhandenen
Gebäuden so viel wie möglich erhalten und gleichzeitig eine futuris­
tische und helle Umgebung für die Migratinnen und Migranten, die
das Sjakket als Begegnungsstätte nutzen, geschaffen wurde. Mit dem
Ziel der Aktivierung und Ausbildung der Jungendlichen und einer
intensiven Integrationsarbeit, kommt dem Zentrum in diesem Stadt­
viertel, einem Außenbezirk Kopenhagens, dessen Bevölkerung sich
hauptsächlich aus Haushalten mit geringen Einkommen und Einwan­
dererfamilien zusammensetzt, eine wichtige Rolle zu. Zwischen den
beiden Tonnendächern des Altbaus wurde ein halbrundes Sonnen­
deck eingebaut. Von dieser hoch gelegenen Terrasse gelangt man in
das Tonstudio Ghetto Noise, dessen roter Gebäuderiegel die beiden
Dächer überbrückt und als Sjakket-Symbol in der industriellen Skyline
des Nordwestens von Kopenhagen auf den Jugendclub aufmerksam
macht. Dies ist die einzige architektonische Ergänzung des Altbaus.
Der multifunktionelle Charakter zeigt sich am besten in der vielfäl­
tigen Nutzung der beiden großen Gewölberäume, von denen der
eine ausschließlich für Sportaktivitäten zur Verfügung steht, während
der anderer Raum für Workshops, Konzerte oder kommunale Events
Verwendung findet. Hauptanliegen der Sanierung war es, einen multi­
funktionalen Ort zu schaffen, der von unterschiedlichen Altersgrup­
pen genutzt wird und in diesem Stadtteil ein positives Signal aussendet.
By converting a rundown factory into a base camp, immigrant youth
are provided with an alternative space away from the streets. The
buildings are renovated in a way that incorporates as much of the
existing buildings as possible, overlays a futuristic and bright environ­
ment for the young people who use Sjakket. This is a community cen­
tre designed for mainly immigrant youth. By activating and educating
them, it plays a significant role in the area. Sjakket is situated in one of
the peripheral neighborhoods of Copenhagen, which is mainly popu­
lated by lower income households and immigrant families. A half pipe
sun deck is wedged between the two vaults. Accessible from the
raised terrace is the ‘Ghetto Noise’ sound studio, which bridges the
two vaults. It is the only architectural addition, appart from Sjakket’s
icon announcing the centre’s presence in the industrial skyline of
northwest Copenhagen. The centre’s multi-functional character is best
illustrated through the varied use of the vaulted spaces. One is held
completely empty for sporting events, whereas the other one can be
used for activities such as concerts or communal activities. The main
purpose of the Sjakket refurbishment is to create a place that can
serve many different functions and age groups, but that could most
importantly make a positive, bright statement that would serve the
area. After listening to the centre’s users and as well as to the manage­
ment, the focus was set on integration.
(Photographs: Vegar Moen, Martin Foldgast)
Before
Our greatest
challenge became:
How do you refurbish
a squatted factory
without gentrifying
its raw beauty and
alienating the original
occupants ?
The factory consists of
two big vaulted halls.
We proposed to fill one
and empty the other. The
one filled with all the
functions of clubhouse,
school, offices and
kickboxing, the other
voided to become open
for communal events,
concerts and sports.
After
GhettoNoise sound studios
skylight
vegetation
sjakket
meeting area
skylight
bridge
skylight
foldable gate
thaiboxing ring
container
technical basement
253
YES_IS_MORE_part_3.indd 253
meeting area
3/8/2009 8:12:02 PM
31
section a
b
Villa de Heerlikheid/ Hoogvliet Heerlijkheid
Location: Rotterdam – Netherlands
Function: cultural centre and park
Architects: FAT, London – United Kingdom
Client: Vestia Rotterdam/WiMBY, Rotterdam
Year of completion: 2008
32
Hoogvliet Heerlijkhied ist ein kulturelles Zentrum und eine Begeg­
nungsstätte im niederländischen Hoogvliet, einer nach dem Krieg neu
entstandenen Stadt in der Nähe von Rotterdam, die in den 1950er
Jahren errichtet wurde, um den Arbeitern im wachsenden Hafen und
in der Ölraffinerie von Rotterdam eine Unterkunft zu geben. Das neue
Gebäude wurde im Stil der Architektur des 21. Jahrhunderts gestaltet.
Seine Form deutet auf beide Übersetzungen des holländischen Wortes
heerlijkheid hin (Anmut und Herrensitz). Das Haus beherbergt vielfäl­
tige öffentliche Einrichtungen wie einen großen Festsaal, Kino, Café
und Räume, die von Gemeindeorganisationen gemietet werden kön­
nen. Es befindet sich in einem landschaftlich gestalteten Park mit
einem See, der unterschiedliche Einrichtungen bietet wie einen Natur­
spielplatz für Kinder, Sportanlagen und eine Freiluftanlage, in der
jedes Jahr zahlreiche Festivals veranstaltet werden. Ziel des Projekts,
seiner Gestaltung, seiner Finanzierung und seiner Nutzung ist es,
Gemeinschaft zu fördern. Heerlijkhied ist ein sozialer Ort, der die
gespaltene Bevölkerung von Hoogvliet (Migrantinnen und Migranten,
Einheimische, Alte und Junge) zusammenführt und an dem Industrie
und Natur miteinander im Einklang stehen. Sehr früh begannen die
Architekten und WIMBY (eine Ideenfabrik, der der Auftrag erteilt wor­
den war, Hoogvliet mit neuem Leben zu füllen) gemeinsam mit den
Bewohnern Ideen für das Gebäude zu entwickeln. Heerlijkeid ist die
gebaute Verwirklichung dieser ersten gemeinsamen gesellschaft­
lichen Studien.
The Hoogvliet Heerlijkhied is a cultural and community centre in
Hoogvliet, a post-war New Town suburb of Rotterdam built in the
1950s to house workers for Rotterdam‘s expanding port and oil
refinery. The design of the building was intended to create a 21st
century civic architecture for the suburban New Town, whose form
is suggestive of the two translations of the Dutch word heerlijkheid
(‚loveliness‘ and ‚feudal manor‘). The building provides space for a
variety of public programmes, including a large hall, a cinema, a cafe
and rentable space for community organisations. It sits within a land­
scaped park that provides a range of facilities and activities, including
a lake, a children‘s nature playground, sports facilities and a park that
can accommodate a series of annual community festivals. The
project’s ambition, based on its process, its purpose, its design, its
funding and its operation, is to act as a means of generating commu­
nity. The Heerlijkhied is a social condenser that brings together Hoog­
vliet’s fragmented population (immigrant and indigenous, old and
young) and integrates Hoogvliet’s landscape of industry and nature.
FAT and WIMBY (a planning think tank tasked with revitalising Hoog­
vliet) jointly developed early ideas for the building together with the
neighbors. The Heerlijkeid is a distillation and extension of preliminary
studies in social organisation and representation.
(Photographs: Maarten Laupman)
33
t
Category
emporary
34
Die Kategorie Temporary umfasst zeitlich begrenzte Projekte im städ­
tischen Raum, die der Kategorie Built in keiner Weise nachstehen. Das
betrifft sowohl Gestaltung, Innovation und Umsetzung. Temporäre
Bauten erfordern oft sogar mehr Erfindungsreichtum, gerade weil die
Mittel noch begrenzter sind. Obwohl auch bekannte Architekten sich
zu allen Zeiten mit temporären Bauten auseinandergesetzt haben, ist
temporäre Architektur noch keine Königsdisziplin der Architekturgil­
de. Der Wunsch, ein dauerhaftes Zeichen zu setzen, überwiegt. Dabei
verlangen die Herausforderungen unserer Gesellschaft neue Maßnah­
men und eine erweiterte Auffassung von Baukultur und Architektur.
Zwischennutzer als zukunftsgewandte Pioniere sind die ersten Akteure,
die in Berlin das Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof
gestalten. Die „Tempelhofer Freiheit“ bietet sowohl den physischen
als auch intellektuellen Raum für temporäre Innovationen. In der Stadt­
entwicklung der Zukunft sind wir auf temporäre Projekte angewiesen.
Die eingereichten Arbeiten zeigen, wie innovative temporäre Eingriffe
in den urbanen Raum Geschäftsideen sein können und wie sie in den
Stadtraum wirken. Andere Arbeiten verdeutlichen, dass qualitätsvoll
gestaltete „Stadtbausteine“ Räume verändern können und sich Men­
schen auf den Weg machen, um die Stadt neu für eine begrenzte Zeit
als Lebensraum für sich und andere zu entdecken.
The category Temporary covers projects in the urban space which
exist for a limited time, but which are equal in every respect to those
in the Built category. That applies to design, innovation and realisati­
on. Temporary buildings often demand more inventiveness, precisely
because the resources are even more limited. Although renowned
architects throughout history have grappled with temporary buil­
dings, temporary architecture is not a forte of the architectural guild.
The desire to leave a permanent mark predominates. However, the
challenges of our society demand new measures and an expanded
conception of building culture and architecture. Intermediate users as
future-oriented pioneers are the first stakeholders who have set about
fashioning the site of the former Tempelhof Airport in Berlin. The
“Tempelhofer Freiheit“ offers both physical and intellectual space for
temporary innovations. Urban development of the future will be
dependent on temporary projects. The submitted projects demons­
trate how innovative temporary interventions into the urban space
can be and what effect they have on the urban space. Other projects
make clear that temporary objects with a high design quality can
change spaces, inspiring people to set about newly discovering the
city for a limited period as a living space for themselves and others.
35
t
Die Stadtküche – The search for Culinary Plurality
Location: Berlin-Neukölln – Germany
Function: public mobile kitchen
Architects: Daniel Unterberg und
Isabell Weiland
Client: initiative of the architects
Year of completion: 2009
36
Die Stadtküche ist ein Objekt, das zur Umdeutung des städtischen
Raums einlädt. Die häusliche Küche wird auf die Strasse gebracht,
um dort Gemeinschaften zu initiieren. Dem urbanen Raum wird der
private gegenüber gestellt. Die Stadtküche ist mobil und autark und
bietet neben der nötigen Ausstattung zum Kochen einen langen Ess­
tisch, an dem jeder Passant Platz nehmen darf. Ob auf den Haupt­
straßen oder den kleinen Kiezstrassen, für kurze Zeit bietet die Küche
einen Interventionsraum, der als Ort der Kommunikation den öffent­
lichen Raum auf eigene Weise interpretiert. Nord-Neukölln ist einer
der vielfältigsten Stadtteile Berlins, Bewohner aus über 160 verschie­
denen Nationen leben hier. Auch viele Studenten und junge Familien
haben den Bezirk für sich entdeckt. Zusammen mit den Alteingeses­
senen, machen sie die Neuköllner Identität aus. In diesem kulturellen
Gefüge ist das soziale Gleichgewicht besonders wichtig. Um so span­
nender ist es den privaten Raum auf die nähere Nachbarschaft zu
erweitern. Im Rahmen des Kulturfestes „48 Stunden Neukölln“ und der
Aktion „Karl-Marx-Straße“ entstand auf einem Fahrradanhänger im
Juni 2009 die Stadtküche. Unaufgebaut ist die Stadtküche bei einer
Länge von 220 Zentimeter und einer Breite von 60 Zentimeter mit
dem Fahrrad transportierbar. Das zentrale Element ist das Küchen­
modul. Passanten, Nachbarn und Freunde bringen eigene Zutaten
und Rezepte mit. Mit der Offenheit für neue Gerichte, wird Fremdes
entdeckt und gemeinsam Neues geschaffen.
The Stadtküche (City Kitchen) is an object that invites one to reinter­
pret urban space. By bringing the domestic kitchen onto the street,
communities are generated and the urban space is confronted with
the private. The City Kitchen is mobile and autonomous, and in addi­
tion to the necessary equipment for cooking, offers a long dining table
at which passers-by are free to sit down. Whether on main streets or
small neighbourhood streets, for a short period the kitchen offers an
intervention space, a communication site providing its own interpreta­
tion of the public space. North Neukölln is one of the most diverse dis­
tricts in Berlin, home to over 160 different nationalities. Many students
and young families have also discovered the district for themselves.
Together with long-time residents, they make up the Neukölln identi­
ty. In this cultural structure, the social balance is especially important.
This makes the extension of the private space to the immediate neigh­
bourhood all the more exciting. In June 2009, within the context of
the cultural festival “48 Stunden Neukölln” (48 hours Neukölln), and
the action “Karl-Marx-Strasse”, the City Kitchen was created on the
back of a bicycle trailer. 220 cm long and 60 cm wide in its unassem­
bled form, the City Kitchen can be transported by bicycle. The central
element is the kitchen furniture, with passers-by, neighbours and
friends contributing their own ingredients and recipes. With an open­
ness to new dishes, the unfamiliar is explored and something new is
created in a communal act.
65,0°
65,0°
65,0°
(Photographs: Nicole Erbe, Rolf Eusterschulte)
Tis
wü
rzen
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+ 95,0
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Küchenmodul
33/33 cm
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Eichbaumoper
Location: Mülheim – Germany
Function: temporary transformation of a
metrostation into an opera
Architects: raumlaborberlin – Germany
(Jan Liesegang, Matthias Rick)
Partner: Schauspiel Essen, Ringlokschuppen
Mülheim, Musiktheater im Revier Gelsen­
kirchen
Client: initiative of raumlaborberlin
Year of completion: 2009
38
Der Bahnhof Eichbaum ist geprägt von Vandalismus, Angst sowie
Hilflosigkeit bei der Suche nach Lösungen. Eichbaum ist jedoch eine
wichtige Verbindung innerhalb der Stadtlandschaft, die von Auto­
bahnen und U-Bahn-Linien zergliedert ist. Die Eichbaumoper, ein
Projekt von raumlaborberlin, kennzeichnet die zeitweilige Umwand­
lung der U-Bahn-Station Eichbaum zwischen Mülheim und Essen in
eine Oper. In der Diskussion über die Bedingungen der Alltagsarchi­
tektur entstand eine neue Form von Oper und öffentlichem Raum. Die
Debatte fand in der so genannten Opernbauhütte in Zusammenarbeit
mit Experten verschiedener Berufsgruppen wie Theaterleute, Ethno­
logen und Architekten, Autoren und Komponisten statt. Seit zehn
Jahren widmen sich die Mitglieder von raumlaborberlin, einem Team
aus Städteplanern und Architekten, öffentlichen Räumen, die von der
traditionellen Stadtplanung aufgegeben worden sind. Sie betrachten
diese Räume als Versuchsgelände bei der Suche nach neuen Formen
urbaner Praxis, die die klassischen Planungsmittel mit kulturellen
Betätigungen verbinden. raumlaborberlin ersinnt urbane Prototypen,
Bühnenprozesse und Wünsche, die die Vorstellung davon, worum es
beim öffentlichen Raum geht, verstärken.
The station „Eichbaum“ is shaped by vandalism, fear and foreboding,
as well as helplessness searching for solutions. However, „Eichbaum“ is
an important connection in the urban landscape that is dissected by
highways and metro lines. The „Eichbaumoper“, a project of raumlabor,
characterises the temporary transformation of the metro station Eich­
baum (oak tree) into an opera in the outskirts between the cities of
Mülheim and Essen. In the debate about the terms and conditions of
the every day architecture, a new form of opera and public space was
created. The debate took place at the so-called, „Opernbauhütte“ in
cooperation with experts from different professions such as theatre
people, ethnologists and architects, authors, composers. For ten years,
the members of raumlaborberlin, a collective of urban planners and
architects, have dedicated themselves to public spaces, which have
been abandoned by traditional urban planning. They regard these
spaces as testing-grounds in the search for new forms of urban prac­
tices that connect the classic tools of planning with forms of cultural
activation. Raumlabor invent urban prototypes, stage processes and
desires, which enlarge the imagination of what public space could be
about.
(Photographs: Rainer Schlautmann, Guntram Walter, Sven Piayda, Diana Küster,
raumlaborberlin)
39
t
Jellyfish Theatre
Location: London – United Kingdom
Function: theatre and showroom
Architects: Köbberling/Kaltwasser, Berlin –
Germany
Client: The Red Room Theatre and
Film Company
Year of completion: 2010
40
Das Oikos-Projekt, von dem alten griechischen Wort für Haus und dem
Wortstamm von Ökonomie und Ökologie abgeleitet, verdeutlicht die
Grundsätze der Red Room Theatre and Film Company. Entstanden ist
ein spannendes Theaterprojekt in einer einzigartigen Mischung aus
Kunst, Architektur, Theater und Öffentlichkeit, bei dem untersucht
wird, wie sich eine neue und nachhaltige Gesellschaft in einer vom
Klimawandel veränderten Welt entwickeln kann. Die Architekten
Köbberling/Kaltwasser arbeiteten gemeinsam mit Freiwilligen am Bau
des Jellyfish Theaters, dem ersten voll funktionsfähigen Theater in
London, das komplett aus Recyclingmaterial erbaut wurde. Mit seinem
Schwerpunkt auf Energieeffizienz, Kooperation und nachhaltiger Bau­
weise war das Jellyfish Theater Bestandteil des Londoner Architek­
turfestivals im Sommer 2010. Anfang Oktober wurde es wieder abge­
rissen. Als temporäres Bauwerk entstand das Jellyfish Theater aus
unterschiedlichsten Materialien. Dazu gehörten weggeworfene Thea­
terkulissen, von Baustellen geborgenes Altholz, Marktpaletten von
Covent Garden sowie alte Küchenteile, die von Besuchern mitgebracht
wurden. Da der Klimawandel unser Leben bereits beeinträchtigt, hat
The Red Room die führenden Dramatiker Kay Adshead und Simon Wu
damit beauftragt, in zwei lebensnahen und begeisternden Theater­
stücken zu prüfen, wie sich die Gesellschaft den Forderungen des
Überlebens anpassen kann. Beide Stücke entstanden insbesondere für
die Aufführung in diesem einzigartigen Haus und wurden ab Ende
August aufgeführt. Das Jellyfish Theater ist ein bahnbrechendes Pro­
jekt, das viel Optimismus und Freude ausgelöst hat. Es hat versucht,
die Menschen zu animieren, neue Formen für ein Leben in der Zukunft
zu entwickeln.
The Oikos Project, from the ancient Greek word for house and the root
word of economy and ecology, is embracing these principles of The
Red Room Theatre and Film Company and has embarked on an excit­
ing theatre project: a unique mix of public-made art, architecture and
performance that explores how a new and sustainable society can
flourish in a world altered by climate change. Köbberling/Kaltwasser
have worked alongside volunteers to create The Jellyfish Theatre,
London’s first fully-functioning theatre made entirely from recycled
and reclaimed materials. Focussing on energy efficiency, co-operation
and human-scale construction, The Jellyfish Theatre was showcased as
part of the London Festival of Architecture in July 2010 and will open
to the public at the end of August and be dismantled in early October.
As a temporary structure, The Jellyfish Theatre will be made of materi­
als from all sources: junked theatre sets, reclaimed timber from build­
ing sites, Covent Garden market pallets and old kitchen units provided
by the public. With climate change already impacting our lives, The
Red Room has commissioned two leading playwrights, Kay Adshead
and Simon Wu, to examine ways in which society may adapt for its
survival in two urgent and inspiring plays written specially to be per­
formed in this unique venue from the end of August. The Jellyfish
Theatre as a ground-breaking project is full of optimism and fun and
tries to empower people to realise new possibilities of future life.
(Photographs: Köbberling/Kaltwasser)
41
t
PopUp – Public Construction Site
Location: Stuttgart – Germany
Function: performative installation/interdis­
ziplinary platform in public space for cultural
events with swimming pool and open stage
Architects: Umschichten, Stuttgart
Client: initiative of the architects with the
Kunstverein Wagenhalle e.V. and the Landes­
stiftung Baden-Württemberg
Year of completion: 2008
42
Auf einem Baugrundstück im Stuttgarter Rosensteinviertel, entwickelt
sich seit einigen Jahren ein neuer Stadtteil, direkt am Stuttgart 21-Areal.
Dort entstand für kurze Zeit ein Testfeld der Stadtgestaltung. Insze­
niert vom Kunstverein Wagenhalle e.V. und gefördert unter anderem
durch die Landesstiftung Baden Württemberg, wurde eine kulturelle
Spielwiese geschaffen, wobei der mehrere Wochen dauernde Baupro­
zess zum Teil des Events wurde. Mit dreißig Tonnen Schalungsmaterial,
sechs Containern und neunzig Metern Stahlplatten wurde eine Kultur­
baustelle errichtet, die zum Mittelpunkt sozialer und kultureller, gene­
rationsübergreifender Aktivitäten wurde. Das Architekturbüro
„Umschichten“ (Peter Weigand und Lukasz Lendzinski) akquirierte
Gelder, Helfer, Baumaterial und Akteure. Der riesige Materialpool
erlaubte es unterschiedlichen Gruppen und Institutionen, sich anzu­
docken und situativ auf den Ort zu reagieren. Das Projekt kombiniert
soziale und architektonische Aspekte und setzt dabei auf Gemein­
schaft und Fortbildung. Es verwendet Materialien, die sich in Kreisläu­
fen befinden und somit wieder zurückgeführt werden können und
setzt lokale Arbeitskräfte ein. Es regt an, Nachhaltigkeit nicht allein als
ökologische Komponente zu betrachten, sondern genauso als gesell­
schaftlichen und sozialen Aspekt, der in der heutigen Architektur
manchmal vergessen wird. PopUp „resozialisiert“ den Ort über die
direkte Identifikation der Akteure mit dem Schaffungsprozesses.
On a building plot in the Rosenstein district of Stuttgart, where a new
urban district has formed in recent years, directly next to the Stuttgart
21 site, a temporary testing ground for urban design was established.
Staged by the Wagenhalle e.V art association and funded, amongst
other sources, by the Landesstiftung foundation Baden Württemberg,
a cultural playing field was created, whereby the weeks-long building
process itself formed part of the event. With thirty tons of educational
material, six containers and ninety metres of steel plate, a cultural
building site was created which formed the focus of the social, cultural
and cross-generational activities. The architects office “Umschichten”
(Peter Weigand and Lukasz Lendzinski) acquired money, helpers,
building material and stakeholders. The huge pool of material
enabled different groups and institutions to dock onto the site and
contextually react to the location. The project combined social and
architectural aspects, with a special emphasis on community and
further education. It utilised materials in circulation, enabling them to
be recycled, as well as employing local manpower. It inspired sustaina­
bility to be viewed, not just as the sum of its ecological components,
but as much of the societal aspect and social components, which are
sometimes forgotten in today’s architecture. Pop Up “resocialised” the
site through the direct identification of the stakeholders in the crea­
tive process.
(Photographs: David Graeter)
1. Auflage / Oktober / 2008
(
Prinzip
PopUp!
)
öffentliche Baustelle
Bei dem (angesichts von Schrumpfung) erforderlichen Leitbildwandel wird traditionelles Planerdenken ebenso kläglich versagen wie avanciertes Künstlertum - wenn es nicht zu einer verstärkten Rückbesinnung auf etwas heute höchst Unmodisches kommt: auf soziale Kompetenz. (...) Es setzt die Bereitschaft voraus, nicht nur Einstiegsdiagnosen oder vage Spielszenarien abzuliefern, sondern ganz direkt und persönlich Teilnehmer eines langen und mühseligen Prozesses zu werden. Die Aufgabe heißt nicht Beglücken, sondern Begleiten.
Wolfgang Kil (in arch+ 173, shrinking cities, reinventing urbanism)
ab 18/07/08 Ausstellung
Lehrstuhl Prof. Schmutz (AdBK Stuttgart)
Sonnendeck
06
04
07
Pool
temporäres Freibad
31/07/08 23:58 Uhr Sprengaktion
BNB-Ballistic, “cristall-burn-ort”
UfA-Kino
Nachbar mit Starkstromanschluss
05
03/ bis 06/07/08 Installation
biederpunk-äußere design
20. Juli PopUp! Früschoppen
Katerfrüstück mit DJ 92
Nachbar mit Wasseranschluss
Kolping Bildungswerk
18/ bis 20/07/08 72-Stunden-Lesung
ZIPF and Residents
ab 18/07/08 Ausstellungsfilm
IfA-Galerie
18. Juli lecture
R.E.P. (Ukraine) und Centrala (Polen)
26. Juli
Konzert-Performance
Weltraumquartett
09
26/07/08 Klanginstallation
Grillstation
Georgel Nord Endlosimprovisation
18. Juli
Performance
M.O.M.I.
17-27/07/08 Tanztheater
01
time-lapse-project
10
16.-31. Juli
Gästebett in Bürocontainer
10. Juli PopUp-Kino
Schmalspur-Kombinat
(Filmakademie Ludwigsburg)
Eismann
03
Aufbauhelfer
Stuttgart Connection e.V.
08
Staatliche Akademie der
Bildenden Künste
16. Juli
PopUp! goes „Interventionsraum“
02
Württembergischer
Kunstverein
IfA-Galerie
Akademie Schloss Solitude
Stadtbücherei
01
inszeniert und ein Filmabend fand statt. Punktuell wurden Fernseher verteilt. Wie selbstverständlich nahmen die Besucher auf den Trägern Platz und formierten sich zu kleinen Themengrüppchen.
Situationen improvisiert. Das „Weltraumquartett“ spielte auf einem gegurteten DOKA-Riegel in einem halb aufgerissenen Container. Ein 4 -stündiges Konzert als Abschluss, die Musiker eingekleidet in „Barbarella Fashion“. 05
Satelliten // Über den Zeitraum des “PopUps” wurden verschiedene Gebilde aus DOKA
geschaffen. Manche wurden in der Stadt als Infopoint verteilt, andere dienten nur als Lockerungsübung zum spielerischen Umgang mit dem Material. Der Realisierungszeitraum war
immer auf wenige Stunden angelegt und die Skulptur wurde vor Ort situativ gestaltet.
08 Materialempfang // 3. Juli // Das Inszenieren und Aufwerten der Lagersituation schaffte
kamen jedes Wochenende um an der Plattform zu bauen. Die Einsätze wurden mit Grill
und Freibier belohnt und die Tage klangen am Pool aus.
03 Pool // Als Swimmingpool diente ein Container. Lediglich mit Teichfolie ausgekleidet
06 4 Bauphasen // Jede Bauphase hatte ein öffentliches Ereignis und die räumlichen Situ-
09 Ungeplant // Eine lebendige Stadt braucht auch Ungeplantes, etwas Improvisiertes, etwas
und einem schnell improvisierten Sonnendeck aus DOKA erfreute er sich großer Beliebtheit bei Passanten, Kindern und den schwitzenden Managern. Passagiere der vorbeifahrenden ICEs winkten irritiert.
ationen wurden der Bauphase entsprechend inszeniert. Das Materiallager wurde so präzise
gesetzt, dass es als eine lange Bar funktionierte und der Materialempfang gebührend zelebriert
wurde.
nicht Vorhergesehenes, einen angeeigneten Raum der nicht die Sterilität eines Computerstriches
trägt, sondern Raum für Entfaltung birgt - mit dem man sich identifizieren kann.
04 Filmabend UK // 13. Juli // Nach der ersten Bauphase wurde die Unterkonstruktion
07 Weltraumquartett // 26. Juli // Mehrere Konzerte wurden in verschiedene räumlichen
Plattform // 19. Juli // Die Plattform war das anvisierte gemeinsame bauliche Ziel. Es
diente als Aufhänger um an diesem „Unort“ zusammenzukommen . Die Bauperformance
der Plattform wurde in vier Bauphasen gegliedert. In der dritten Woche stand die Plattform, in der Woche darauf wurde sie wieder rückgebaut. 02 Stuttgart Connection // Nach körperlichem Ausgleich lechzende Manager/ innen
43
das Ambiente für diesen Abend. Als die 30t des Rohmaterials ankamen, wurde an der 30m
langen Theke gefeiert. Umgeben von einem beleuchteten, gerasterten Feld der Auflagerpunkte
- bereit für den nächsten Bauabschnitt.
10 Georgel Nord // 27. Juli // Eine mehrstündige Endlosimprovisation/ Konzert begleitete den
Sonntags- Rückbau der Plattform. Die Musik der außergewöhnlichen Anhäufung von Geräten
t
Prosthesis Institutiona
Location: Castellon – Spain
Function: contemporary art space
Architects: Santiago Cirugeda, Sevilla –
Spain
Client: Espai d‘Art Contemporani de Castelló,
EACC
Year of completion: 2005
44
Institutional Prosthesis ist ein Projekt von Santiago Cirugeda und
entstand in enger Zusammenarbeit mit EACC (Espai d‘Art Contem­
porani de Castelló). Ausgangspunkt war die gemeinsame Suche nach
neuen Möglichkeiten und Chancen eines Zentrums für die Kunst.
Institutional Prosthesis ist das Ergebnis dieses Prozesses und steht
gleichzeitig am Anfang weiterreichender Entwicklungen des Muse­
ums. Es geht darum, neuen Möglichkeiten und Verbindungen zum
städtischen, sozialen und politischen Umfeld aufzunehmen. Das Pro­
jekt besteht aus zwei Räumen von jeweils 50 Quadratmetern, die von
der Museums-Front zum angrenzenden Platz reichen. Beide Zellen
sind durch einen parallel zu deren Fassade verlaufenden Gang verbun­
den, der an der Terrasse in der Nähe des Verwaltungsgebäudes endet.
Beide Räume, ironisch als „der Dicke“ und „der Dünne“ bezeichnet, sind
mit schwarzen Kunststoffschalungen abgedeckt, wie sie gewöhnlich
beim Betongießen Verwendung finden und werden jeweils von vier
Metallstützen getragen. Der gesamte Frontbereich dieser bewohn­
baren Räume besteht aus Glas. So entsteht in Abhängigkeit von der
Nutzung ein öffentlicher oder halböffentlicher Raum. Optisch wird das
Ganze als schwingende organische Struktur wahrgenommen. Die fast
vollständig manuell gefertigte Umhüllung lässt sich als ironischer
Kommentar zu Nutzung und Missbrauch von Hochtechnologie in der
Mehrzahl zeitgenössischer Bauten verstehen.
Institutional Prosthesis is a Santiago Cirugeda’s production in close
collaboration with the EACC (Espai d‘Art Contemporani de Castelló)
deriving from a common reflection about new uses and possibilities
for an art centre. Institutional Prosthesis materialises, and represents a
preamble to, a wider reflection on what is wanted from the EACC
about the museum, its limits and its new capacity to make links with
the urban, social and political framework: the city and its associated
sceneries. The project consists of two 50 m2 cells that are projected
from the frontage of the EACC towards the square in front of it. A corri­
dor that passes in parallel to this frontage and stops at the terrace next
to the building’s office joins both cells. These spaces, sarcastically
named the “fat man” and the “thin man”, are covered by a skin made of
black plastic mouldings, which are normally used to cast concrete, and
which are each crossed by four metallic rods. The frontal part of this
habitable cell is made of glass across its entire surface, which turns it
into a public space or a semi-public space depending on its use and
the wishes of its occupants. The optical perception is that of a vibrant
organic structure. The skin of industrial elements, almost handmade,
can be read as an ironic comment on the (ab)use of high-tech in the
majority of current architectonical production.
(Photographs: k. A.)
45
t
The Barn and Dalston
Garden – Eastern Curve/
Dalston Barn and
Community Garden
Location: Dalston, London – United Kingdom
Function: windmiill, bread oven, performance space, wheat field, community garden
Client: London Development Agency, Design for London, London Borough of Hackney
Architects: J&L Gibbons LLP, muf architecture/
art LLP with Nicolas Henninger (Exyzt), Agnes Denys
Year of completion: 2010
46
Eastern Curve, ein Stück ungenutztes Bahngelände in Dalston Lane,
London, erwies sich als Standort mit Potential für die Schaffung eines
Öko-Gartens, eine Idee, die viel Unterstützung fand. Ein wichtiger
Aspekt war der versteckte Ort in der Dalston Lane. Diese einfache
Schönheit und das Potenzial des Bahngrundstücks erweckte das Inte­
resse der Barbican Art Gallery, gefördert von muf architecture/art LPP,
die sich 2009 um Außenflächen bemühte, um die Ausstellung Radical
Nature zu erweitern. In Phase Eins entwarf und erbaute eine franzö­
sische Gruppe von Architekten und Künstlern (Exyzt) eine Windmühle
mit einem integrierten Brotbackofen neben der Kornfeldinstallation
von Agnes Denys. In Phase Zwei entstand eine Scheune und ein
Gemeinschaftsgarten. Dem schlossen sich ökologische Prüfungen,
eine Entwicklung des Konzepts sowie Workshops an. Nach dem Über­
schreiten der Schwelle bietet sich ein Blick auf eine abgeschlossene
Fläche als deutlicher Kontrast zum hektischen Betrieb auf der Straße
vor der Anlage. Die Scheune umfasst fünf in Holz aufgeführte Bereiche
unter einem Dach. Dieser Raum verleiht diesem öffentlichen Ort ein
Gefühl von Heimat und Gastfreundschaft. Die Scheune ist ein Versuch,
alternative Erfahrungen zwischen dem öffentlichen und dem privaten
Bereich anzubieten, die es den Menschen ermöglichen soll, sich im
öffentlichen Raum und im Stadtleben zu engagieren, während sie von
urbaner Gartenökologie und den natürlichen Baustoffen des Scheu­
nengebäudes umgeben sind.
The Eastern Curve, an abandoned piece of railway land in Dalston
Lane a area of London was identified as a place of potential through a
conversation with stakeholders. Through the initial part of project
identification, the opportunity to develop this spot was illustrated and
gained much support. One key aspect was the secret nature of its
location. The raw beauty and potential of the railway land interested
the Barbican Art Gallery faciliated muf architecture/art LLP by who, in
2009, were seeking space outside to extend their exhibition Radical
Nature. In Phase One Exyzt, a French architectural/art collective,
designed and constructed a windmill with a bread oven beneath the
wheatfield installation of Agnes Denys. In Phase Two the Dalston Barn
and the Community Garden followed, designes by the achitects J&L
Gibbons LLP and Nicolas Henninger from Exyzt. Ecological surveys,
design development and workshops were originated. Once across the
threshold, an intimate space is revealed that contrasts radically with
the hectic nature of the street outside. The pavilion is a barn of sorts,
composed of five timber-framed bays with a basic roof creating a
gatehouse to the secret garden. The space brings a sense of domestic­
ity and hospitality to this public space. The barn tries to offer an alter­
native experience between the public and private spheres for individ­
uals to engage with public space and city life while surrounded by the
urban ecology of the garden and the natural materials of the barn
structure.
(Photographs: J&L Gibbons, muf and Exyzt)
47
t
Bellevue – The Yellow House
Location: Linz – Austria
Function: artist studios, information kiosk,
cafeteria, bicycle rental, library, craftsspace and
public stage
Architects: Fattinger, Orso, Rieper, Vienna –
Austria
Client: City of Linz in cooperation with
European Capital of Culture 2009
Year of completion: 2009
48
Einer der letzten großen Eingriffe in die Verkehrsinfrastruktur von Linz
war die Einhausung der Stadtautobahn am Bindermichl/Spallerhof.
Tunnel überdecken seit 2005 die Verkehrsflut, nun schauen die An­
wohner ins Grün des neu entstandenen Landschaftsparks. Hier wurde
im Rahmen der europäischen Kulturhauptstadt 2009 in Linz ein tem­
poräres Haus errichtet: BELLEVUE – Zur schönen Aussicht, ein Haus an
der Kante zur Mühlkreisautobahn. Auf der einen Seite der Blick auf die
Autobahn, gegenüber die Sicht auf den Park. In monochromem Gelb
und in den Proportionen an die umliegenden Wohngebäude ange­
lehnt, steht das Haus als schützende Hülle für die Funktionen, die es in
sich birgt: unter anderem Unterkünfte für Gastkünstler/Innen, eine
Kantine, einen Fahrradverleih, einen Werkraum, eine Bibliothek und
eine öffentliche Bühne. Tägliche Veranstaltungen haben BELLEVUE zu
einem Zentrum künstlerischer Interaktion werden lassen, das zum
Sehen, Kommunizieren und Handeln auffordert. Anrainer haben zu­
sammen mit Wissenschaftlern und Künstlern gemeinsame Projekte
entwickelt, die sich mit der Kultur und den Besonderheiten der be­
nachbarten Stadtteile auseinandersetzen. BELLEVUE wird zu einem
gemeinsamen Erlebnis, das Geschichte mit Gegenwart und Kultur mit
Alltag verbindet und zu einem interaktiven Wahrzeichen auf Zeit, das
weit über sein physische Existenz hinaus wirkt.
One of the last major interventions into Linz’s transport infrastructure
was the enclosure of the urban motorway at Bindermichl/Spallerhof.
Since 2005, tunnels have covered the stream of traffic and residents
now have a view in the green of the newly created landscape park. It is
here, within the framework of the European Capital of Culture 2009 in
Linz, that a temporary house was built: BELLEVUE – beautiful view,
a house on the corner of the Mühlkreis motorway. On the one side, a
view of the motorway, on the other, a view of the park. In mono­
chrome yellow and in proportions modelled on the surrounding resi­
dential buildings, the house stands as a protective shell for the func­
tions harboured within it. As such, it houses, amongst other things,
accommodation for guest artists, a canteen with garden, a bike hire
shop, a workshop, a library and a public stage. Daily events have
turned BELLEVUE into a centre for artistic interaction, prompting par­
ticipants to see, communicate and act. Local residents, together with
artists and scientists, have developed joint projects which engage
with the culture and specific features of the neighbouring districts.
BELLEVUE has become a collective experience, connecting past and
present, culture and everyday life; a temporary interactive landmark
that continues to have a lasting effect long after its physical disappear­
ance.
(Photographs: Peter Fattinger, Heimo Pertlwieser)
49
t
ENZI
Location: Vienna – Austria
Function: interactive multifunctional elements
for public space, ENZI
Architects: PPAG-Architects, Vienna
Client: Museumsquarter Vienna
Year of completion: since 2001 until today
50
Die Innenhöfe des Wiener Museumsquartiers, in dem eine Vielzahl
kultureller Organisationen und Cafés zu finden ist, bilden die Fläche
für 116 großformatige Elemente aus beschichtetem expandiertem
Polystyrol-Schaumstoff, genannt ENZI. Sie können auf vielfältige Weise
angeordnet werden. Im Sommer schlängeln sie sich herdenförmig
durch die Höfe, in jedem Jahr in anderen Formationen und Farben:
nebeneinander, übereinander, in Kreisen oder Spiralen. Wenn sie im
Winter zusammengestellt werden, entstehen gebäudeähnliche Struk­
turen, für Cafés, kleine Bars und das „Kino in der Kälte“. All dies unter­
streicht die soziale Funktion des Desings. ENZI ist keine Bank und kein
Sitz, sondern eine abstrahierte Form. Von Anfang an führte die Aufstel­
lung der ENZIs zu einem verstärkten Zustrom von Besuchern, wodurch
sich Wiens größter verkehrsfreier öffentlicher Platz in einen Schmelz­
tiegel dynamischen städtischen Lebens verwandelt. Die Menschen
reden und diskutieren miteinander, Kinder spielen. Es gab die Mög­
lichkeit in einer Online-Abstimmung mit zu entscheiden, welche Far­
ben die ENZI‘s erhalten sollen. Die Beteiligung an diesem Projekt war
enorm. 2007 fand die erste ENZI-Auktion statt. Damals wurden zwölf
farbige ENZI-Elemente versteigert. Der Erlös kam der CARITAS für ein
Schulprojekt in Afrika zugute.
The inner courtyards of the Museumsquartier in Vienna, host to several
cultural organisations, museums and cafes, are the playground for 116
over-sized elements – called ENZI – made of coated EPS (expanded
polystyrene), which – joined in endless variations – can be read as
characteristic, recognisable occupants on behalf of modern architec­
ture in the preserved, historical complex of buildings. During the
summer they wander in herds through the yards, each year in different
colours and formations: next to each other, on top of each other, in
circles, in spirals & c. By piling the elements in wintertime they are
transformed into building-like structures. Inside one can enjoy hot
punch and DJ-music, or even “the cinema of the cold”. Thus they
acknowledge the communal aspect of the site and reaffirm the social
role of architecture. ENZI is not a classic bench or seat, it is an abstract
form. This abstraction gives the visitor the chance to discover it for him
or herself. From the beginning, the installation of the ENZIs brought
an increase of visitors and transformed the voids of Vienna’s largest
non-traffic public space into a melting pot of dynamic city life includ­
ing chatting, discussing and playing. In the past, people could vote for
their favourite colour online. This turned out to be an enormous par­
ticipation project. In 2007 the first ENZI-auction took place. 12
coloured ENZI-pieces were auctioned. The revenues are provided to
CARITAS for a school project in Africa.
(Photographs: Frank Kaltenbach, Roland Krauss, Lisi Gradnitzer, Ali Schafler)
51
t
RDF 181
Location: Brussels – Belgium
Function: temporary office and exhibition
space
Architects: Lionel Devlieger, Marten Gielen,
Mia Schmalenbach, Tristan Boniver, Brussels
Client: Rotor NPO
Year of completion: 2006-2007
52
Im Vlaamsesteenweg in Brüssel hing bis 2007 an einer freien Seiten­
wand eines Wohnhauses ein gelber „Parasit“. Dieser Anbau war der Sitz
der gemeinnützigen Organisation Rotor für das Projekt RDF 181.
Errichtet wurde die Konstruktion zwischen vier Betonstützen, die sich
an die freie Wand anlehnen. Der Anbau besteht vollständig aus Indus­
trieabfällen und wiederverwendbaren Materialien: weggeworfene
Plastikfolie, altes Ausstellungsmaterial, durchsichtiges Segeltuch sowie
von Baufirmen ausgeliehene Stützen, Streben und Schalungsteile.
Praktisch ist dieser Bau eine direkte Umsetzung der Ideen, für die
Rotor einsteht: Ungenutztes Industriematerial soll ein neues Leben
erhalten. Bei dem Gelände handelt es sich um ein Stück Ödland, auf
dem ein Investor neue Wohnungen errichten möchte. Während der
Wartezeit auf die Baugenehmigung wurde das Grundstück für ein Jahr
Rotor zur freien Verfügung gestellt. Das rechteckige Büro misst 65
Quadratmeter. Dort organisieren die Mitglieder von Rotor ihre täg­
lichen Aufgaben und führen kleine Ausstellungen durch. Obwohl der
Anbau illegal war, wurde er durch die dort stattfindenden Aktivitäten
von der Öffentlichkeit akzeptiert. Die Verwendung von Stützen und
Streben wie auf einer Baustelle unterstreicht die zeitweilige Natur des
Baus. Der gesamte Raum wurde in durchscheinende Plastikfolie
gehüllt, die von einem verlassenen Grundstück geborgen wurde.
Außerhalb des Anbaus befindet sich eine Treppe in einem Gerüstturm.
Sie führt auch auf die Dachterrasse.
In the narrow Vlaamsesteenweg in Brussels, a yellow parasite hangs
against the blank sidewall of a town house: this is the head office
(RDF 181) of the Rotor non-profit organisation (NPO). The structure
was built between four concrete buttresses that prop up the blank
wall and is composed entirely of industrial waste materials and reusa­
ble materials: a rejected mass of plastic film, old exhibition material
and transparent sailcloth and materials loaned from building firms for
the structure: props, struts and formwork beams. The construction is
virtually a literal translation of the ideas Rotor stands for: To give new
life to the remnants of industrial materials. The site is a piece of waste­
land where a property developer plans to build new homes, and
which was loaned for a year while waiting for planning permission.
The office is a rectangular space of 65 square metres where the mem­
bers of the NPO organise the daily logistics and where small exhibi­
tions are held. As an illegal construction, this sort of arrangement
nevertheless gives the office a certain legality, not in the eyes of the
law, but in those of society. The use of props and struts on a building
site emphasises the temporary nature of the construction. The whole
space was wrapped in translucent plastic film, reclaimed from a rejected
lot. There is a staircase in a scaffolding tower outside the main volume,
leading up to the box and the roof terrace.
(Photographs: Julie Guiches, Eric Mairiaux, Rotor)
53
t
Singeldingen
Location: Rotterdam – Netherlands
Function: kiosk, terrace, and social network for
public activities
Architects: SUBoffice Architects, Rotterdam
Client: Foundation Singeldingen, Rotterdam
Year of completion: 2010
54
Die Singeldingen-Stiftung ist eine private Initiative von Nachbarn
für Nachbarn mit dem Ziel, ein Stück Rotterdamer Park in einen neu­
artigen Typ von öffentlichem Raum zu verwandeln. Das erfolgte durch
die Aufstellung eines von dem Rotterdamer Architekturbüro SUBoffice
entworfenen Kiosks in diesem Park sowie die Organisation verschie­
denster Aktivitäten in dessen Umfeld. Die Stiftung bemühte sich in
den letzten Jahren um die richtige Form, ihr Ziel umzusetzen. Das
kleine weiße Gebäude wirkt vom Design her abstrakt und im geschlos­
senen Zustand ein wenig rätselhaft. Geöffnet sieht es wie ein T aus
und ist aus der Ferne gut zu erkennen. Seit der Inbetriebnahme des
neuen Kiosks beleben immer mehr Menschen den Park. Der Heem­
raadspark in Delfshaven, in dem der Kiosk aufgestellt wurde, gibt ein
optimistisches Signal für zwei problembelastete städtische Gebiete
(Middelland en het Nieuwe Westen). Dieser anscheinend kleine
Eingriff durch den Kiosk unterstreicht das große Potenzial dieses
schönen, bis dahin kaum genutzten Parks. Initiatoren und aktive
Mitglieder der Singeldingen-Stiftung betreuen dieses Projekt ehren­
amtlich. Ihnen geht es um eine Stärkung des lokalen Charakters und
der Identität ihres städtischen Umfelds.
The Singeldingen Foundation is a private initiative for neighbours by
neighbours that aims at turning a Rotterdam park strip into a new
type of public space. It does so by placing a kiosk designed by Rotter­
dam-based sub office architects in the park and organising all sorts of
activities around it. In the past few years, the foundation has experi­
mented to find the right form to achieve their goal. The little white
building has an abstract design and appears a bit mysterious when
closed. When it opens it transforms into a clear T-shape, which can be
seen from afar. Since the new kiosk went into operation, Singeldingen
has attracted a wider public and has reached more passers-by. The site
of the intervention, the Heemraadspark in Delfshaven, is the silver
lining of two rather rough urban neighbourhoods, “Middelland en het
Nieuwe Westen”. The seemingly small intervention of the kiosk has
demonstrated the huge potential of this beautiful park to the neigh­
bourhood and has enabled many other unexpected things to happen.
The initiators and active members of the Singeldingen Foundation are
volunteers from the neighbourhood. Their motivation is to strengthen
the local character and the identity of their environment.
(Photographs: Like Bijlsma, Frank Hanswijk)
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Sportification
Location: Halle, Berlin, Leipzig, Kiel – Germany,
Vienna – Austria, Antwerpen – Belguim
Function: sporting areas in empty buildings
and sites
Architects: complizen Planungsbüro, Halle –
Germany
Client: initiative of complizen Planungsbüro
Year of completion: 2002-2010
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Die Nutzung städtischer Räume für sportliche Aktivitäten ist nicht neu,
sondern ein selbstverständlicher Teil unserer zivilisatorischen Stadtund Gesellschaftsentwicklung. Dennoch: Räume und Sportarten, die
jenseits der Interessensphären von Politik, Sportverbänden und Spon­
soren liegen, kommen oft zu kurz. Das complizen Planungsbüro
befasst sich damit, wie viel Spaß, Sport und Eigeninitiative Stadtpla­
nung überhaupt zulässt. Wie viel Stadt und Architektur in neue Sport­
arten integriert werden kann. Seit 2002 finden jährlich Sportification
Interventionen an unterschiedlichen Orten statt. Stadtlandschaftliche
und architektonische Ressourcen werden sportlich genutzt. Die Idee
wirbt für eine stärkere Integration von Sport in die Stadt. Ziele sind die
Verbesserung der Lebensqualität im Wohnumfeld, die Einbindung
neuer Zielgruppen bei der Stadtplanung und die Umsetzung koopera­
tiver Planungsstrategien. Sportification ermöglicht es Sportlern und
Zuschauern, einen emotionalen Zugang zu vermeintlich „schwierigen“
Orten aufzubauen. Es entsteht ein Bezug zwischen den persönlichen
Bedürfnissen des Individuums und den Fragen der Stadtplanung.
Sportification Events zeichnen sich durch ganz unterschiedliche
Gestaltungsansätze aus. Professionelle Sportler sind als Berater und
Kooperationspartner in die Projekte eingebunden. Aus diesen Partner­
schaften sind im Laufe der Jahre wiederum neu unabhängige Sport­
projekte mit einem urbanen Fokus entstanden.
The “sportification” of urban spaces is not new, in fact it is a self-evi­
dent part of our civilizing urban and social development. However,
spaces and types of sports outside the sphere of interest of politics,
sport associations and sponsors are often neglected. The complizen
planning office engages with the issue of how much fun, sport and
individual initiative urban planning allows for; how much of the city
and its architecture can be integrated into new types of sport. Since
2002 annual sportification interventions have taken place at a diverse
range of sites, with urban landscape and architectural resources being
used for the purposes of sport. The idea is to promote a stronger inte­
gration of city and sport. Goals include improving the quality of life in
residential environments, integrating new target groups into the
urban planning process and implementing cooperative planning
strategies. Sportification enables athletes and spectators to develop
an emotional connection to allegedly “difficult” locations. This estab­
lishes a relation between the individual’s personal development and
urban planning and development issues. The sportification events are
characterized by a diverse range of design approaches. Professional
sportsmen are integrated into the projects as cooperation partners
and advisers. In turn, over the years, these partnerships have given rise
to new, independent sport projects with an urban focus.
(Photographs: complizen Planungsbüro, David Ulrich)
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Strand aan de Maas – Beachpavillon
Location: Rotterdam – Netherlands
Function: beach bar and café
Architects: Monadnock, Rotterdam
Client: Foundation Strand aan de Maas
Year of completion: 2007
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Den Strandpavillon an der Maas zeichnet sich durch ein markantes
Profil aus. Mit der Fassade in Richtung Stadt stellt der Pavillon eine
gestalterische Verbindung zur Stadt her. Sie verweist durch eine
Beschriftung in Übergröße auf den zeitweiligen Strand und dies in
einem an optischen Stimuli sehr reichem städtischen Umfeld. Von
einem roten Hintergrund als Kontrast leuchtet das Wort „STRAND“ in
großen weißen Buchstaben. Die vorspringenden Veranden Richtung
Strand schaffen Schatten, falls die Sonne zu stark scheint. Besucher
haben im Pavillon Zugang zum Café oder zur Bar, können aber auch
über eine große Treppe barfuss den niedriger gelegenen Strand errei­
chen. In jedem Jahr bietet der Strand der Maas der Stadt Rotterdam
Anlass für Großevents. Die Initiative Strandpavillon gehört zur Stra­
tegie Rotterdams und soll die nicht ausreichend genutzte Verbindung
zwischen dem Stadtzentrum und dem Fluss Maas intensivieren. Tags­
über läuft im Pavillon ein abwechslungsreiches Programm, das bis in
den Abend geht.
The Beach Pavilion on the river Maas is distinctive for its characteristic
profile, which makes it immediately apparent that the building has
two faces. One points towards the beach, the other towards the city.
The facade on Boompjes Avenue allows the pavilion to operate on the
scale of the city. With its oversized facade, the building marks out the
temporary beach in an environment characterised by a huge amount
of visual stimuli. The word “STRAND” adorns the facade in large, plain
white letters on a contrasting red background. The overhanging
verandas that face the beach provide a shady spot when the sun
becomes too intense. The visitors can enter the pavilion’s café and bar
or, via a large staircase, end up barefoot on the sand of the lower-lying
beach. The beach on the river Maas is an annual event in the city of
Rotterdam. The initiative of the Beach Pavilion is part of Rotterdam’s
strategy to improve the underexposed relation between the city
centre and its own riverfront. The pavilion offers a varied programme
during the day extending into the evening. The small-scale wooden
structure immediately creates a contrasting element.
(Photographs: Dieuwertje Komen)
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UDN urban interventions – Build. Learn. Interact.
Location: Hamburg – Germany
Function: university, location for events,
advanced training, culture, research and
teaching
Architects: HCU/Christopher Dell,
Michael Koch, Bernd Kniess
Client: HCU Hamburg, IBA Hamburg GmbH,
Kampnagel Hamburg
Year of completion: 1. Phase 2009/
2. Phase 2010
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Über einen Zeitraum von fünf Jahren behandelt das Projekt „Univer­
sität der Nachbarschaften“ (UdN), eine Kooperation von HCU HafenCity
Universität Hamburg, IBA Hamburg und Kampnagel Hamburg, das for­
schende Erarbeiten und Erproben zeitgemäßer Bildungsformen an der
Schnittstelle von Kultur, Wissen und Stadtentwicklung. Den Ausgangs­
punkt der Auseinandersetzung bildet dabei eine gewöhnliche urbane
Situation: ein ungenutztes und leer stehendes Gebäude, das ehema­
lige Gesundheitsamt des Hamburger Stadtteils Wilhemsburg. Hier
entwickelt „UdN“ eigene Prinzipien des Studierens und Arbeitens, ein
eigenes Curriculum: die aktive Aneignung, durch reale Eingriffe in die
Substanz des Gebäudes und dessen programmatische Nutzung. Mög­
lichkeiten von Wissensproduktion und Wissensvermittlung werden in
den Prozess einer konkreten urbanen Transformation eingeführt. Im
1:1-Modus wird Gestaltung von Stadt als vorhandenes bauliches , kul­
turelles und wirtschaftliches Geflecht untersucht. Im Zentrum steht
dabei ein Nachhaltigkeitsbegriff, der die gegebene Situation einer
Um- und Restnutzung eines Gebäudes aufgreift, dies in seinen ökono­
mischen Rahmenbedingungen thematisiert und daraus neue Hand­
lungsformen zu entwickeln versucht. Ziel ist es, für spezifische Aufga­
ben des Bauens zu sensibilisieren. Die Low-Budget-Restnutzung des
Gebäudes folgt einer eigenen Logik. Eine Anforderung besteht darin,
geeignete wirtschaftliche Verfahren zu konzipieren und anzuwenden.
Over a period of five years the project “Universität der Nachbarschaf­
ten” (UdN) – Neighbourhood University - a cooperative research
project from the HCU (HafenCity University Hamburg), IBA (Interna­
tional Building Exhibition Hamburg) and Kampnagel will devise and
test contemporary educational forms at the interface of culture,
knowledge and urban development. The starting point for the explo­
ration is provided by a commonplace urban situation: an unused and
empty building, the former Health Authority offices of the Hamburg
district of Wilhemsburg. Here the “UdN” is developing its own educa­
tional and work principles, its own curriculum: active appropriation,
real intervention into the substance of the building and its program­
matic use. Possibilities for knowledge production and transfer will be
integrated into the process of concrete urban transformation. Urban
development will be explored at the scale of 1:1 in the form of an
existing architectural, cultural and economic structure. The main focus
is on a sustainability concept that seizes on the given situation: a con­
version and re-utilisation of the building during its remaining useful
life, exploring it within the context of its economic parameters in order
to generate new forms of action. The goal is to raise awareness for
specific building tasks. The low-budget re-utilisation of the building
during its remaining useful life proceeds according to its own logic.
One requirement consists in the conceptual design and application of
a suitable economic procedure.
(Photographs: Ben Pohl)
Fassade
<Stapelung von Geschossen | Wiederholbarkeit
bis zur Beliebigkeit | Suggeriert Fortsetzungs­
möglichkeit | Loggien als Freiraumersatz>
Hof
<Ergibt sich als Zwischenraum | Qualität ab­
hängig von Einfassung und Gestaltung>
Fiktiver Raumausschnitt. Bündelung
von Städtischem zur Erfassung und
Analyse charakteristischer Eigen­
schaften urbaner Wirkungs-Elemen­
te. Der Schwerpunkt liegt dabei auf
der städtischen Wohnsituation.
Zaun/Stacheldraht
<Abgrenzung | Schutzbedürfnis | reine Funktion
- kein Gestaltungsanspruch>
Wegführung
<Vorgegebene Bewegungsrichtungen | Versie­
gelte Flächen mit klarer Funktion | urbane Ma­
terialien: Asphalt, Gehwegplatten>
Garagen
<Funktionsbau | kein Anspruch auf Ästhetik | Repräsentant der urbanen Mobilitätsansprüche>
Sandkasten | Spielplatz
<Räumlich + funktional begrenzte Spielmöglich­
keit. Ermöglicht Kindern, ihrem Spieltrieb nach­
zugehen und kanalisiert diesen zugleich durch räumliche und funktionale Einschränkungen>
Grundtypus_Urbanität
61
Publisher
Senatsverwaltung für Stadtentwicklung
Kommunikation
Am Köllnischen Park 3
10179 Berlin
www.stadtentwicklung.berlin.de
Editors
Translation
[email protected] Sprachendienst GmbH
Layout
Katrin Grünert
Print
Oktoberdruck, Berlin
Berlin, November 2010
URBAN INTERVENTION AWARD 2010
SenStadt

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